Future Policy Award:
Schutz vor gefährlichen Chemikalien

Wir sehen eine dramatische Anzahl von Todesfällen und Krankheiten durch gefährliche Chemikalien sowie Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzung. Dies wirkt sich auf das Leben heutiger und zukünftiger Generationen sowie auf unsere Umwelt aus. Es ist daher absolut wichtig, dass wir das fachgerechte Management von Chemikalien und Abfällen stärken – durch inklusive, wirksame, inspirierende und innovative Gesetze und Politikinstrumente. Ein ehrgeizigeres Handeln aller Beteiligten weltweit ist dringend erforderlich.

Aus diesem Grund widmet sich der Future Policy Award im Jahr 2021 den wirksamsten politischen Lösungen, die die nachteiligen Auswirkungen von schädlichen Chemikalien auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit minimieren, wobei der Schwerpunkt auf der Gesundheit von Kindern liegt. Der Preis wird hervorheben, dass es Lösungen gibt – Lösungen, die ehrgeizig und wirkungsvoll sind.

Am 6. Juli 2021, haben wir die Gewinner des diesjährigen Future Policy Award mit einer hochkarätigen virtuellen Preisverleihung geehrter! Hier können Sie sich die Aufzeichnung anschauen.



Gold-Gewinner

Kirgisistan: Beschluss Nr. 43 über die Genehmigung des Einstufungssystems für Chemikalien und Vorschriften zur Gefahrenkennzeichnung – Etikettierung und Sicherheitsdatenblatt (2015)

Kirgisistan ist eines der noch zu wenigen Länder weltweit, welches dem Global Harmonisierten System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien (GHS) Rechtscharakter verliehen hat. Das GHS ist ein international vereinbartes Verfahren zur Einstufung von Chemikalien nach Gefahrenarten, welches von der UN verwaltet wird. In Kirgisistan spiegeln sich nun die GHS-Bestimmungen in der Arbeit und den Haushaltsplänen aller wichtigen Regierungsorganisationen und Ministerien wieder. Das Personal von 219 öffentlichen Einrichtungen, Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen wurde in der GHS-Anwendung geschult. Unternehmen haben insgesamt mehr als 6.500 Arbeitskräfte trainiert, um Arbeitssicherheit zu gewährleisten. Jeder der 14 Pestizid- und 42 Düngemittellieferanten nutzt nun die GHS-Gefahrenklassifizierungen und Produktkennzeichnungen. Außerdem achten auch Konsumenten zunehmend auf die Produktkennzeichnungen. Kirgisistans visionärer Beschluss kann viele andere Länder inspirieren.

Schweden, Stockholm Region: Ausstiegsliste für umwelt- und gesundheitsgefährdende Chemikalien (2012-2016, geändert 2017-2021)

Der Stockholmer Kreistag hat einer Ausstiegsliste von gefährlichen Chemikalien für die Umwelt und der Gesundheit von Bürger:innen, Arbeiter:innen und Patient:innen zugestimmt. Die Liste beinhaltet Chemikalien und chemische Produkte die z.B. im Gesundheitswesen, in Laboren, in der Zahnmedizin, in der IT, in der Reinigung, oder in Textilien zum Einsatz kommen, darunter sind beispielsweise allergieauslösende Duft- oder Konservierungsstoffe. Außerdem hat der Kreistag den Einkauf und die Beschaffung von Chemikalien und chemischen Produkten sowie von Waren und toxischen Verbrauchsmaterialien verboten, die in eine große Reihe der folgenden Kategorien fallen, wie zum Beispiel: „Kann Krebs verursachen“ und „Kann vererbbare genetische Schäden“ verursachen. Diese Liste ist verbindlich für alle Produkte, die von der Stockholmer Kreisverwaltung beschafft werden. Seit 2012 wurde ein wichtiger Teil der gefährlichen Chemikalien ersetzt, insbesondere im Gesundheitssektor. Dort wurde eine 90%ige Reduzierung der Nutzung von gelisteten Substanzen von 1.135kg auf 115kg gemeldet. Die Ausstiegsliste aus Stockholm zeigt, dass es möglich ist, die gefährlichsten Chemikalien zu verbieten, ohne die wirtschaftliche Entwicklung negativ zu beeinträchtigen. Diese Ausstiegsliste ist eine Inspiration für andere Regionen und Länder auf der ganzen Welt.

Special Award Gewinner

Sonderpreis ‘Hochgefährliche Pestizide’

Sri Lanka: Pestizidkontrollgesetz Nr. 33 (1980, geändert 1994, 2011, 2020) und Nationale Politik und Aktionsplan zur Prävention von Selbstmord (1997)

Sri Lanka hatte eine der höchsten Selbstmordraten der Welt, wobei Pestizidvergiftungen mehr als zwei Drittel aller Fälle ausmachten. Das Pestizidkontrollgesetz sorgt dafür, dass nur die am wenigsten gefährlichen Pestizide verfügbar sind. Es wurden insgesamt 36 hochgefährliche Pestizide verboten. Sri Lankas Pestizidkontrollgesetz hat zu einem der größten Rückgänge geführt, der jemals weltweit in Selbstmordraten verzeichnet wurde. Die Selbstmordrate des Landes wurde um 70 Prozent reduziert, besonders in ländlichen Dörfern und unter Kindern und Jugendlichen. Damit hat das Gesetz in 20 Jahren über 93.000 Leben gerettet bei direkten Regierungskosten von unter 50 US Dollar pro Fall.

Zur gleichen Zeit hat Sri Lanka das Level seiner landwirtschaftlichen Produktivität halten können. International zeigt Sri Lankas Erfahrung, dass das Verbot hochgefährlicher Pestizide eine der kostengünstigsten Wege zur Suizidprävention ist.

Sonderpreis ‘Blei in Farben’

Philippinen: Chemische Kontrollverordnung für Blei und Bleiverbindungen (CCO, 2013-24)

Mit der CCO für Blei und Bleiverbindungen sind die Philippinen das erste südostasiatische Land, welches erfolgreich eine Verordnung für bleisichere Farben umsetzt. Das Ziel der Verordnung ist es, mehr öffentliches Bewusstsein für die Gefahr von Bleibelastung zu schaffen sowie sichere Alternativen bereitzustellen, um die Gesundheit der Bevölkerung und der Umwelt zu schützen. Sie umfasst einen Fahrplan mit klaren Definitionen, Ausstiegsplänen und effektiven Instrumenten, wobei der Kinderschutz im Vordergrund steht. Eine Kombination aus Top-Down- und Bottom-Up-Methoden führte in den Philippinen zur erfolgreichen Umsetzung der Verordnung. Während bis heute nur wenige Länder auf der Welt ein umfassendes Verbot der Nutzung von Bleizusätzen in allen Farben beschlossen haben, so haben die Philippinen gezeigt, dass es möglich ist, den Bleigehalt in allen Farben unter den Maximalgrenzwert von 90ppm zu reduzieren; dies schließt auch Industriefarben mit ein, die im Durchschnitt eine zehnfach höhere Bleikonzentration enthalten. Am Anfang des Jahres 2020 hat die einheimische Farbindustrie der Philippinen die Ausstiegsfrist für Bleifarben gemeistert und nun sind ihre insgesamt 1.395 Farbprodukte durch das neue Bleisichere-Farben-Zertifizierungsprogramm zertifiziert.

Special Award ‘Arzneimittelrückstände in der Umwelt’

Kolumbien: Beschluss Nr. 371 zur Merkmalsfestlegung von Managementplänen bezüglich der Rückgabe pharmazeutischer Produkte und abgelaufenen Arzneimitteln (2009)

Rund 4.000 pharmazeutische Wirkstoffe werden weltweit in verschreibungspflichtigen Medikamenten, rezeptfreien Arzneimitteln und Tierarzneimitteln verabreicht. Obwohl Arzneimittel streng hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und der Patientensicherheit kontrolliert werden, so sind die negativen Nebenwirkungen, die sie auf die Umwelt haben können, ein immer größer werdender Anlass zur Sorge. Im Jahr 2009 hat Kolumbien den Beschluss Nr. 371 als Teil der nationalen Politik zur Regulierung des Abfallmanagements von gefährlichen Produkten verabschiedet. Bemerkenswert ist, dass die Pharmahersteller und -Importeure die Verantwortung und die Kosten für die Umsetzung des Beschlusses tragen müssen. Dies ist ganz im Sinne des Verursacherprinzips. Bis zum Jahr 2018 haben insgesamt 711 Pharmaherstellern und -Importeuren mit einem Marktanteil von 95 Prozent an der Umsetzung des Beschlusses teilgenommen. Auch wurden 2.593 Rücknahmestellen für Medikamente eingerichtet, die für 70 Prozent der Bevölkerung gut erreichbar sind. Zudem wurden bereits mehr als 930 Tonnen Medikamente ordnungsgemäß entsorgt. Der Beschluss als solcher ist derzeit das erste erfolgreiche und verbindliche Programm zur Medikamentenentsorgung in Lateinamerika. Er inspiriert Nachbarländer, ähnliche Politikansätze zu entwickeln.

KONTAKT

Ingrid Fritsche

Project Manager Future Policy Award

ingrid.fritsche@worldfuturecouncil.org

Anna-Lara Stehn

Media & Communications Manager

anna-lara.stehn@worldfuturecouncil.org

PARTNER

UNEP logo

BROSCHÜRE

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Dieses Projekt wurde gefördert durch das Umweltbundesamt und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Die Mittelbereitstellung erfolgt auf Beschluss des Deutschen Bundestages.

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare SicherheitLogo Umweltbundesamt


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Mit Unterstützung der Michael Otto Stiftung und der Jua Foundation