Laura ist eine unserer Praktikantinnen in unserem Team „Die Rechte von Kindern und Jugendlichen“. Sie hat einen Kommentar dazu geschrieben, wieso man trotz der Pandemie den Kopf nicht hängen lassen muss.

Autorin: Laura-Marie Estermann – Kopf hoch! Ein Kommentar zum Leben während der Pandemie 

Kopf hoch! Ein Kommentar zum Leben während der Pandemie 

Ich war im März 2020 in Westafrika auf der kleinen Insel Malabo und besuchte eine Freundin, die in Äquatorial Guinea als Lehrerin arbeitete. Ich erinnere mich noch genau daran, wie wir an diesem Freitag auf ihrem Bett saßen und über unsere Wochenendpläne redeten und eine losgelassene und entspannte Stimmung herrschte, bis die überraschende Nachricht kam, dass ab Sonntag alle Grenzen des Landes geschlossen werden. Schuld war ein neuartiges Corona Virus, das damals noch unbekannt war. Damals wusste ich nicht, dass ich mitten einer Pandemie steckte, die die Welt monatelang in Atem halten wird.

Ich erinnere mich, wie wir Witze darüber machten, wie wir für immer auf dieser Insel leben würden und nie wieder nach Deutschland zurückkehren könnten. Aber tief in unserem Inneren, waren wir doch geschockt. Corona hatte seinen Weg auf die Insel gefunden, und ich war weiter denn je von meinem Heimatland entfernt und es gab vorerst keinen Weg nach Hause.

Darauf folgten unzähligen Gespräche mit der deutschen Botschaft und unseren Familien Zuhause. Ich erinnere mich an die Unsicherheit nicht zu wissen, was als nächstes passiert. Woche um Woche verging und meine Besorgnis wurde größer. Ich machte mir Gedanken um die Frist für die Bachelorarbeit, meine Bewerbung für meinen Masterstudium und meinen anstehenden Englischtest. Ich hatte doch so viele Sachen zu erledigen zuhause, und ich war eingesperrt auf dieser kleinen Insel.

Auf einmal wurde mir aber bewusst, dass nicht nur das Leben auf dieser kleinen Insel angehalten hatte, sondern auch in Deutschland nicht alles “normal” weiterlief. Überall auf der Welt steckten Menschen in Ländern fest, überall waren Menschen isoliert und Unternehmen, Restaurants und Bildungseinrichtungen geschlossen. Auf der ganzen Welt wurden die Folgen des neuen Coronavirus sichtbar, an einigen Orten nur oberflächlich, doch an anderen änderte sich das Leben grundlegend. Dennoch, die Anfänge der Pandemie gingen an niemanden von uns spurlos vorbei.

Ein Jahr später, sind wir immer noch von den Folgen des Corona Virus betroffen und jedes Mal, wenn ich mit jemandem rede, höre ich mehr und mehr die Traurigkeit in der Stimme meiner Freunde, Bekannten und Familienmitgliedern. Wir vermissen den Kontakt zu Freunden, menschliche Berührungen und all die anderen Dinge, auf die wir während der Pandemie verzichten müssen. Aber da ist eine Sache, die mich motiviert und aufbaut: zu wissen, dass ich nicht allein bin.

Ich bin nicht allein mit meinen Gefühlen und der Frustration. Ich bin nicht die Einzige, die traurig ist, dass ich meine Freunde nur auf meinem Bildschirm sehe, dass mein letztes Jahr an der Universität zuhause vor dem Laptop stattfindet, und ich jeden Abend wieder und wieder im gleichen Park spazieren gehe (obwohl ich Spazierengehen eigentlich nicht mag). Ich weiß, dass es eine herausfordernde Zeit für alle ist und das motiviert mich. Ich kann meinen Freunden und den Menschen in meiner Umgebung sagen, es ist okay, dass du dich so fühlst, wie du dich fühlst. Es ist okay, traurig zu sein. Es ist okay, ein bisschen unglücklich zu sein von Zeit zu Zeit. Aber vergiss nicht, du bist nicht allein mit deinen Gefühlen.

Dieses Wissen bedeutet aber auch eine Verantwortung zu haben. Wir haben eine Verantwortung füreinander da zu sein, für unsere Freunde und Familien, aber auch für andere. Diese Pandemie fordert nicht nur uns und unsere Umgebung heraus, sie fordert die ganze Welt heraus. Besonders westafrikanische und andere Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen haben am meisten mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen. Deswegen haben wir die Verantwortung, diese Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen. Wir haben die Verantwortung, niemanden zurück zu lassen, weder eine einzelne Person noch eine ganze Nation. Wir müssen Lösungen finden, die überall funktionieren – nicht nur bei uns. Unsere Lösungen sollten uns helfen, uns in eine gerechtere und solidarischere Richtung zu entwickeln. Schlussendlich können wir uns nicht allein aus der Krise retten und so weiter machen, wie zuvor. Während zeitgleich in anderen Ländern der Zugang zu medizinscher Versorgung schlecht ist oder die Krankenhäuser überfüllt sind, und Menschen nicht einmal das nötigste haben, um zu überleben. Die zunehmende Globalisierung vernetzt uns mehr und mehr mit der ganzen Welt und schenkt uns neue Freiheiten, aber macht uns auch abhängig von anderen Teilen in der Welt. Wir können deshalb nicht nur die Pandemie in unserem Land aufhalten und erwarten, dass alles wird wie früher. Diese Pandemie beschränkt sich nicht auf ein Land oder lässt sich? von Ländergrenzen aufhalten.

Impfstoffe und eine medizinische Grundversorgung, sollten nicht nur einzelnen Länder mit hohem Einkommen zur Verfügung stehen, sie sollten allen zur Verfügung stehen. Hygienestandards sollten nicht erst während einer Pandemie thematisiert werden und Bedingungen dafür geschaffen werden, sondern auch im geregelten Alltag implementiert werden. Wissenschaftler verschiedener Nationen sollten weiterhin gemeinsam forschen und neue Impfstoffe oder innovative Lösungen gegen den Klimawandel entwickeln, die allen helfen. Wir müssen aus dieser Pandemie lernen füreinander da zu sein, und gemeinsam neue Lösungen für jetzt, aber auch für die Zukunft, zu erarbeiten.

Wir können diese Krise zusammen lösen, also Kopf hoch, du bist nicht allein.