Das Jahr 2025 brachte eine bedeutende Veränderung für den World Future Council: Im Mai wurde Neshan Gunasekera als neuer Vorstand ernannt. In Sri Lanka geboren und aufgewachsen, studierte er Rechtswissenschaften, berät die Vereinten Nationen und begleitet den WFC seit der Gründung im Jahr 2007 – zunächst als Politikberater für Zukunftsgerechtigkeit, danach als geschätztes Ratsmitglied. In dieser Ausgabe des Zukunftsfinders lernen wir ihn näher kennen, erfahren mehr über seine Vision für die Organisation – und darüber, was ihn antreibt.
Neshan, bevor wir über deine Arbeit beim WFC sprechen – erzähl uns ein wenig davon, wo du herkommst und was dich ursprünglich zu deinem Beruf geführt hat.
Meine Inselheimat Sri Lanka – gesegnet mit zwei Monsunen, fruchtbarem Boden und einer der artenreichsten Bioregionen Asiens – ist der Ort, an dem sich meine Werte geformt haben. Meine Kindheitserinnerungen wurden, trotz eines langanhaltenden bewaffneten Konflikts, von meinen Großeltern mütterlicherseits und meinen Eltern geprägt; wir drei Brüder bekamen die Möglichkeit, die Schätze unserer Heimat zu würdigen. So war etwa die Pilgerreise zum Schmetterlingsberg keine bloße Erzählung, sondern eine gelebte Erfahrung, die ich heute mit meinem Sohn teile.
Beide meiner Berufsfelder – Recht und Bildung – wurden von meinen Eltern geprägt. Meine Mutter, eine angesehene Juristin und langjährige Angehörige des öffentlichen Dienstes, wies mir den Weg in die Rechtswissenschaft. Mein Vater, der mehrere Generationen von Sportlerinnen und Sportlern auf unserer Insel und darüber hinaus begleitete, vermittelte mir die Werte sportlicher Haltung. Gemeinsam sorgten sie dafür, dass wir die besten Chancen erhielten, unsere eigenen Wege zu gehen. Die dritte prägende Kraft in meinem Leben waren Richter C.G. Weeramantry und seine Frau Rosemary. Im Jahr 2007, als Direktor seiner Stiftung, hatte ich bereits den Briefwechsel mit Jakob von Uexküll begonnen, der im Mai desselben Jahres zur Gründung des World Future Council führen sollte.
Du zitierst oft die Māori-Weisheit Kia whakatōmuri te haere whakamua – „Ich gehe rückwärts in die Zukunft, den Blick auf meine Vergangenheit gerichtet.” Wie berührt dich dieser Gedanke persönlich, und wie prägt er deine Vision für den WFC?
Diese Weisheit kam zu mir als Teil eines Segenswunsches von unserem Ehrenratsmitglied Großmutter Pauline, als ich im Mai 2025 mein Amt antrat – ich trage Erinnerungen in mir, die von der ersten Jahreshauptversammlung im Jahr 2007 bis zu meinem Treffen mit ihr in Den Haag anlässlich des 25. Jahrestags der Earth Charter reichen, kurz nach meiner Ernennung. Diese Kontinuität bedeutet mir viel.
Für mich bringt diese Weisheit zum Ausdruck, wie ich meine Aufgabe beim World Future Council verstehe: mit Respekt für alles, was vor uns aufgebaut wurde – von außergewöhnlichen Menschen aus den verschiedensten Fachrichtungen und Generationen. Und mit der Demut, aus der gesamten Reise zu lernen – nicht nur aus ihren Glanzpunkten.
Die Vergangenheit offenbart uns unsere größten Stärken und unsere wichtigsten Lektionen. Für uns bedeutet das: Lernen über Bioregionen, Kulturen und Generationen hinweg. Das Konzept des Kaitiakitanga – Treuhänderschaft gegenüber unserer Erde – trifft genau diesen Kern. Es ist ein Gedanke, der bereits in den 1980er Jahren von Jakob von Uexküll aufgenommen wurde – und der bis heute nichts von seiner Dringlichkeit verloren hat.
Jakob von Uexküll, Gründer des World Future Council, bezeichnet sich selbst als „Possibilisten“ – als jemanden, der an Möglichkeiten glaubt. Was bedeutet das für dich, da du nun die Verantwortung für die Organisation übernimmst, die er gegründet hat?
Zwischen 2008 und 2012 durfte ich eng mit Jakob und vielen anderen zusammenarbeiten, unter anderem bei der Organisation des Training for Trusteeship Programme in Sri Lanka, zu dem er jedes Jahr eine Botschaft der Möglichkeiten sandte. Ich trage diese Erinnerungen als gelebte Erfahrungen in mir, um sie in den Gesprächen zu teilen, die noch vor uns liegen. Im possibilistischen Denken erkenne ich die entscheidende Bedeutung einer intergenerationalen Dimension – und ich baue auf den Erkenntnissen unserer Vergangenheit auf, während wir die nächste Phase gemeinsam gestalten.
Der WFC blickt auf eine lange Erfolgsgeschichte zurück– fast zwei Jahrzehnte Advocacy, Politikarbeit und Aufbau von Netzwerken und Community. Wie siehst du deine Rolle darin? Was möchtest du aufgreifen, und in welche Richtung soll sich die Organisation weiterentwickeln?
Die Geschichte des World Future Council beginnt meiner Meinung nach lange vor der eigentlichen Gründung des Rates im Jahr 2007. Es ist die kollektive Weisheit so vieler außergewöhnlicher Menschen, ihrer Familien und Freunde, die sich – getragen vom Vertrauen in den WFC – zusammenfanden. In dieser ersten Phase des Übergangs möchte ich diese Fäden wieder aufnehmen: die Weisheit von Wangari Maathai, Hans-Peter Dürr, Sulak Sivaraksa, Pauline Tangiora und anderen, die von Anfang an dabei waren, und sie mit den Hoffnungen derer verknüpfen, die heute zu unserer Reise stoßen.
Was leistet der WFC, das die Welt noch nicht vollständig zu würdigen weiß?
Im Gründungsdokument des WFC haben wir versprochen, „alles in unserer Macht Stehende zu tun, um das Leben in all seiner Schönheit und Vielfalt für zukünftige Generationen zu erhalten.“ Dieser Aufruf zu mutigem Handeln auf allen Ebenen der Governance wird heute besser verstanden als vor zwanzig Jahren – aber noch nicht vollständig gewürdigt: nicht so lange das ausbeuterische, zerstörerische Wachstumsmodell fortbesteht und kurzfristiges Denken strukturelle Gewalt in den meisten politischen Systemen verfestigt.
Was hält dich für die Herausforderungen motiviert, die vor dir liegen?
Die Aufgabe, die mir als Vorstand des WFC zuteilwurde, ist ein ehrwürdiger Auftrag. Als junger Mensch durfte ich den Beginn dieser gemeinsamen Reise vor fast zwanzig Jahren miterleben – und ich war tief berührt, dass so viele außergewöhnliche Menschen, die sich an jenem Tag der Gründung des WFCs versammelten, an meiner Seite gingen und mich ebenbürtig behandelten, obwohl ich wusste, dass ich es nicht war. Ihre Geschichten, ihre tiefe Weisheit, ihre Freundlichkeit weben Muster, die ich – mit dem richtigen Bewusstsein – auf unserer gemeinsamen Reise in das dritte Jahrzehnt unseres One Council in mir trage.
Außerdem bin ich zutiefst dankbar für die Liebe und Unterstützung meiner Frau Bridgette und unseres wunderbaren Sohnes Kael. Beide stellen mir immer wieder die richtigen Fragen.


