Gesa ist unsere Werkstudentin im Kinder- und Jugendrechteteam. Davor war sie Bundesfreiwillige für den World Future Council.

Autorin: Gesa Dolkemeyer, Über virtuelle Freundschaft, die nordischen Länder und Nachhaltigkeit sowie neue Abenteuer in Zeiten der Pandemie

Über virtuelle Freundschaft, die nordischen Länder und Nachhaltigkeit sowie neue Abenteuer in Zeiten der Pandemie

Als die Pandemie begann, war ich gerade dabei, mein Bachelor-Studium in Malmö, Schweden, abzuschließen. Da ich zu diesem Zeitpunkt gerade an über Süd-Koreas Entwicklungspolitik schrieb, hatte Covid-19 anfangs wenig Einfluss auf mein Leben. Ich saß mit oder ohne Pandemie zu Hause oder in der Bibliothek fest und versuchte, was ich in den letzten zweieinhalb Jahren gelernt hatte in einem 30 Seiten Dokument zusammenzufassen.  Außerdem war ich in einem Land, das eine andere Herangehensweise an die ganze Situation hatte als die meisten anderen Teile der Welt. Ob das ein besserer oder schlechterer Ansatz war, ist mehr als fraglich, aber für mich bedeutete es, dass ich mein Studium in Schweden auf eine gute Art und Weise beenden konnte. Das bedeutete auch, dass ich das Glück hatte, mich von meinen Freundinnen richtig verabschieden zu können.

Dennoch war es, als ich Schweden verließ, ungewiss, wann ich meine Freundinnenwiedersehen würde, da die meisten von ihnen entweder in Schweden blieben oder zurück in ihre jeweiligen Länder zogen. Und es war nicht nur die Entfernung, sondern nun auch die Covid-Beschränkungen, die ein mögliches Wiedersehen erschwerten

Ich begann also ein neues Lebenskapitel und zog nach Hamburg, um beim World Future Council zu arbeiten. Von meinen engsten Freundinnen blieb eine in Schweden, eine zog zurück nach Finnland, und eine zog zurück nach Schottland. Das bedeutete, dass wir nicht nur in vier verschiedenen Ländern waren, sondern auch in drei verschiedenen Zeitzonen. Wer hätte gedacht, dass ich mich ihnen jetzt noch näher fühle als vielleicht jemals zuvor.

Covid hat definitiv seine Rolle in dieser Entwicklung gespielt. Zum einen hatten wir alle vier mehr Zeit, da sich die Aktivitäten in dem Jahr, das seit unserem Bachelor-Abschluss vergangen ist, sehr in Grenzen hielten. Das bedeutete mehr Zeit und Flexibilität für Video- und Zoom-Anrufe.

Wir begannen, uns wöchentlich per Zoom zu treffen, einfach zum Reden, um Spiele zu spielen und Erlebnisse zu teilen. Es fühlte sich überraschenderweise nicht so anders an als in Schweden, wenn wir uns mehrmals pro Woche gesehen haben. Da ich in eine neue Stadt gezogen war, in der ich niemanden wirklich kannte, war ich mehr als froh, wenigstens ein paar virtuelle Treffen zu haben und einen engen Freundeskreis, mit dem ich teilen konnte, was in meinem Leben passierte. Während Covid es mir also schwer machte, mich in Hamburg einzuleben und die neue Stadt zu einem Zuhause für mich zu machen, war es auch einfacher, mit meinen Freunden im Ausland in Kontakt zu bleiben.

Als die Pandemie sich dem Ende zuneigte, zeichnete sich ab, dass es vielleicht schwieriger werden würde, den Kontakt aufrechtzuerhalten, wenn bei uns allen wieder ein gewisser Alltag einkehrt. So kam meine Freundin aus Schottland auf die großartige Idee, unsere wöchentlichen Treffen in unseren eigenen Alltag zu integrieren und gleichzeitig eine neue gemeinsame Aktivität zu starten, die Spaß macht: Ein Podcast! Häufig hatten wir ohnehin in unseren Zoom Treffen über Themen diskutiert, die bei uns im Studium aufgekommen waren oder über aktuelle Nachrichten und unsere verschiedenen Perspektiven darauf. Besonders Themen rund um die nordischen Länder und deren Außendarstellung tauchten häufig in unseren Gesprächen auf, da wir alle zusammen in einem der Länder gelebt hatten und feststellten, dass die Darstellung nicht unbedingt der Realität entsprach. So waren wir Feuer und Flamme, unsere Begeisterung für das Diskutieren auf eine neue Art und Weise zu nutzen. Ein Podcast würde es uns einerseits ermöglichen, mehr Erfahrung darin zu sammeln, unsere Gedanken in einem anderen Format zu formulieren und zu diskutieren. Andererseits würden wir unsere Perspektiven mit anderen Menschen teilen können, die sie hoffentlich interessant und anregend finden würden. Als meine Freundin aus Finnland von einer Fördermöglichkeit bei der Nordic Youth in Sustainable Communities erfuhr, setzten wir unsere Ideen in die Tat um und bewarben uns um die Förderung.

Nun stand fest, dass wir dieses neue Projekt gemeinsam starten würden, was sowohl eine tolle Erfahrung für uns als Gruppe als auch  eine gute Ergänzung für unsere Lebensläufe sein würde! Wir bekamen einen kleinen Förderbetrag bewilligt, also stand uns nichts mehr im Wege und wir legten los. Der thematische Schwerpunkt sollte „Nachhaltigkeit und die nordischen Länder“ sein, da dies ein Thema war, das uns persönlich interessierte und gleichzeitig zu der Unterstützung passte, die wir von der Nordic Youth in Sustainable Communities erhielten. Mit dem Podcast wurden unsere wöchentlichen Zoom-Treffen fortgesetzt und neben der Arbeit am Projekt konnten wir uns weiterhin über die Höhen und Tiefen unseres täglichen Lebens austauschen.

Die erste Episode des Podcasts haben wir diese Woche veröffentlicht und sie konzentriert sich auf den Earth Overshoot Day in den nordischen Ländern. Unser Podcast ist auf allen relevanten Plattformen zu finden unter The Social Balcony – Demystifying the Nordic Utopia.

Alles in allem hat die Pandemie für mich persönlich gezeigt, dass es möglich ist, neue Wege der Kommunikation und Interaktion mit weit entfernten Freund:innen zu finden. Trotz allem waren wir in der Lage, gemeinsam neue Abenteuer zu erleben, auch wenn wir ein paar tausend Kilometer voneinander entfernt sind.

Wer unsere Reise weiterverfolgen möchte und sich für Nachhaltigkeit und die nordischen Länder interessiert, ist eingeladen unseren Podcast zu hören und uns auf allen relevanten Social-Media-Kanälen unter @socialbalcony zu folgen!

Höre unsere erste Folge auf Spotify: https://open.spotify.com/episode/37mlr8yBDrXXWHolcnF6Ya

Unsere Website: The Social Balcony – Demystifying the Nordic Utopia

Unser Instagram: https://www.instagram.com/thesocialbalcony/