Refugee children

Veröffentlichung: Vorbildliche Praxisbeispiele aus 13 Ländern zeigen, wie besserer Schutz geflüchteter Frauen und Mädchen vor Gewalt möglich ist

Hamburg, 16. Dezember 2016 –  Weltweit wächst der Anteil von Frauen und Mädchen, die vor Krieg, Verfolgung und Gewalt fliehen. In ihren Herkunftsländern, auf der Flucht und selbst in europäischen Aufnahmeländern sind sie einem erhöhten Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt. Der World Future Council, filia.die frauenstiftung und UN Women Nationales Komitee Deutschland veröffentlichen am 18. Dezember, zum Internationalen Tag der MigrantInnen, eine Sammlung vorbildlicher Praxisbeispiele zum Schutz geflüchteter Frauen und Mädchen.

Ziel des Berichts ist es, diese guten Ansätze mit anderen zu teilen und somit die Verbreitung bereits bestehender Initiativen, Politikansätze und Strategien zum Schutz geflüchteter Frauen und Mädchen vor Gewalt zu fördern und internationalen, nationalen und lokalen zivilgesellschaftlichen Akteuren und Regierungen zugänglich zu machen.

Dazu Anke Domscheit-Berg vom World Future Council: „Gewalt gegen Frauen ist weltweit ein pandemisches Problem. Geflüchtete Frauen und Mädchen sind besonders wenig davor geschützt, selbst im Zielland. Um das zu ändern, braucht es den politischen Willen, die nötige Infrastruktur und Angebote, die der Gewalt gezielt entgegenwirken, einschließlich neuer Zugänge zu existierenden Strukturen. Für all diese Felder haben wir Praxisbeispiele aus Deutschland, Europa und dem Rest der Welt in unserem Bericht zusammengefasst.“

Der Bericht stellt 31 Praxisbeispiele aus 13 verschiedenen Ländern vor. Dazu gehören u.a. Gewaltschutzkonzepte für Flüchtlingseinrichtungen, die bauliche Maßnahmen für mehr Sicherheit, Ablaufpläne bei Gewaltvorkommnissen, sorgfältigere Personalauswahl und interne Schulungen einschließen, aber auch Initiativen, die von der Zivilgesellschaft oder durch Geflüchtete selbst geprägt werden, wie zum Beispiel Tandem-Partnerschaften, Dokumentations- und Präventionsprojekte, Vernetzungscafés und Theaterprojekte an Schulen. Auch geschützte Rückzugsorte für Frauen, die etwa psychosoziale Betreuung und Informationen zu Rechts- und Gesundheitsfragen bieten, werden präsentiert.

Katrin Wolf von filia.die frauenstiftung, hebt hervor: „Geflüchtete Frauen beweisen oftmals eine unglaubliche Stärke auf der Flucht und hoffen auf ein gewaltfreies und selbstbestimmtes Leben. Sie benötigen außer Schutz also Räume, wo sie ihr Potential entfalten können und ihre Bedürfnisse  gehört werden. Wir möchten sie als selbstbestimmte Handelnde  stärken – dazu gehört in erster Linie, ein gewaltfreies Umfeld zu gewährleisten, und  für geflüchtete Frauen und Mädchen Möglichkeiten zu schaffen, wo sie sich austauschen und für ihre Rechte einsetzen können.“

Der Bericht schließt mit einer Reihe politischer Forderungen. Da Frauen und Mädchen besonders auf der Flucht Gewaltübergriffen schutzlos ausgesetzt sind, sollen u.a. legale Wege zur Einreise geschaffen und Familienzusammenführungen massiv beschleunigt werden. Zudem müssten geflüchtete Frauen umfassend über ihre Rechte informiert und in die Entwicklung von Maßnahme einbezogen werden, für die eine solide Finanzierung sicherzustellen ist. Um den Einstieg in ein selbstbestimmtes Leben zu erleichtern, müssten außerdem Barrieren zu Arbeitsmärkten und sozialen Systemen abgebaut werden.


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Kurzfassung

Weltweit wächst der Anteil von Frauen und Mädchen, die vor Krieg, Verfolgung und Gewalt fliehen. In ihren Herkunftsländern, auf der Flucht und selbst in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sind sie einem erhöhten Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt. Einige verlassen ihr Herkunftsland, weil sie geschlechtsspezifische Gewalt, wie zum Beispiel Zwangsheirat oder Genitalverstümmelung, fürchten oder erlebt haben. Ohne sichere Wege und Möglichkeiten internationalen Schutz zu beantragen, begeben sie sich auf die gefährliche Flucht. Gewalt in den Herkunftsländern und auf der Flucht kennzeichnet den Weg der Frauen und Mädchen – auf allen Etappen der Flucht sind sie einem erhöhten Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt. Dazu gehören Vergewaltigung, sexuelle Ausbeutung und Missbrauch, Belästigung, psychische Gewalt, Zwangs- und Kinderehen und häusliche Gewalt. Doch selbst im Zielland sind viele Frauen und Mädchen nicht vor geschlechtsspezifischer Gewalt sicher. Dies liegt unter anderem an den schlechten Aufnahmebedingungen und unsicheren Unterkünften, dem begrenzten Zugang zu Hilfsangeboten und fehlenden effektiven Maßnahmen, um die von Gewalt Betroffenen zu identifizieren.

Ziel dieses Berichts ist es, vorbildliche Ansätze und Initiativen zum Schutz und zur Stärkung von Frauen und Mädchen mit anderen zu teilen. Dabei steht folgende Frage im Fokus: Was können internationale Organisationen, örtliche, regionale oder nationale Behörden und zivilgesellschaftliche Organisationen tun, um geflüchtete Frauen und Mädchen besser vor Gewalt zu schützen?

Pressekontakt

Anke Domscheit-Berg
Politikberaterin
Mobil: +49 175 1676 282
anke.domscheit-berg@worldfuturecouncil.org

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Alexandra Schiffmann
Medien und Kommunikation
Tel: +49 40 307 09 14 19
alexandra.schiffmann@worldfuturecouncil.org

Der World Future Council

Der World Future Council setzt sich für ein verantwortungsvolles, nachhaltiges Denken und Handeln im Sinne zukünftiger Generationen ein. Seine Mitglieder kommen aus Politik, Geschäftswelt, Wissenschaft und Kultur – und von allen fünf Kontinenten. Der Rat identifiziert mithilfe seines Netzwerks von Wissenschaftlern, Parlamentariern und Umwelt-Organisationen weltweit zukunftsweisende Politikansätze und unterstützt ihre Umsetzung auf internationaler, nationaler und regionaler Ebene. Weitere Infos finden Sie unter www.worldfuturecouncil.org.

filia.die frauenstiftung

Als Stiftung sieht filia ihre Aufgabe darin, Mittel zur Verfügung zu stellen – zu verwandeln – in Aktivitäten von Frauen und Mädchen für Frauen und Mädchen. Mit dem Modell der Gemeinschaftsstiftung ist sie strukturell auf diesen Bedarf eingegangen: Sie ist angelegt auf eine wachsende Gemeinschaft, die Kapital und Ideen investiert, damit Frauen mehr Macht und Einfluss gewinnen können.  So unterstützt filia.die frauenstiftung innovative, inspirierende und effektive Projekte von und für Frauen und Mädchen, in Deutschland und weltweit. filia ist seit Gründung Mitglied von Prospera. Die Mitglieder dieses weltweiten Dachverbandes der Frauenstiftungen – es gibt sie inzwischen auf allen Kontinenten – mobilisieren zusammen $64.2 Millionen jährlich für die Förderung von Frauenrechtsarbeit. Frauenstiftungen sind Bindeglieder zwischen Frauengruppen und anderen gesellschaftlichen Akteur_innen, die ähnliche Ziele verfolgen. Für viele selbstorganisierte innovative Initiativen sind Frauenstiftungen die ersten und wichtigsten Partnerinnen, auch für geflüchtete Frauen und Mädchen.
www.filia-frauenstiftung.de.

UN Women Nationales Komitee Deutschland

Das UN Women Nationales Komitee Deutschland ist ein unabhängiger, gemeinnütziger deutscher Verein und eines von weltweit 15 nationalen Komitees, die auf Länder-Ebene die Arbeit der 2011 gegründeten Behörde der Vereinten Nationen „UN Women“ in New York unterstützen. Durch ein „Recognition Agreement“ (Anerkennungs-Vereinbarung) ist das Deutsche Komitee an UN Women in New York angebunden und verfügt damit offiziell über das Mandat und die Verpflichtung, in Deutschland die Arbeit von UN Women zur Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung von Frauenrechten bekannt zu machen. UN Women Nationales Komitee Deutschland e.V. kooperiert mit Vertreterinnen und Vertretern der Zivilgesellschaft, der Wissenschaft und Wirtschaft sowie mit Mitgliedern des Bundestages. Konkret bedeutet das, dass sie zusammen mit anderen deutschen Organisationen darauf achten, dass die Bundesregierung die von ihr ratifizierten UN-Konventionen und Abkommen zu Frauenrechten auch umsetzt. www.unwomen.de.