„Das Zeitalter der nuklearen und fossilen Brennstoffe ist vorbei”

Zum 5. Jahrestag der Katastrophe von Fukushima diskutierten der ehemalige Premierminister Japans, Naoto Kan, Unternehmer Dr. Michael Otto sowie Jakob von Uexküll, Gründer des World Future Council (WFC) in Hamburg über Energiepolitik in Japan und Deutschland.

Are you in_Naoto Kan at WFCNato Kan war Premierminister in Japan, als es am 11. März 2011 in Japan zu einem verheerenden Erdbeben kam, in dessen Folge ein Tsunami ganze Küstenstreifen zerstörte und es in dem Daiichi Atomkraftwerk Nahe Fukushima zu einer dreifachen Kernschmelze kam. Über 15.000 Menschen verloren ihr Leben, hauptsächlich aufgrund der zerstörerischen Kraft des Erdbebens und der Flutwelle. Über 150.000 Menschen mussten aufgrund der Strahlungsbelastung in Folge des Atomunfalls ihre Heimat verlassen, die Mehrheit kann bis heute nicht zurückkehren. Wie groß der finanzielle Schaden durch die Atomkatastrophe ist, lässt sich kaum vorhersagen. Bereits heute wurden knapp 100 Mrd Euro für Schadenseersatzzahlungen, Umsiedlungen, Arbeiten am Kraftwerk usw. bezahlt. Und noch immer ist die Lage vor Ort nicht ganz unter Kontrolle.

Wie erlebt man einen solchen Schicksalsschlag als Regierungschef? Auf Einladung des Hamburger Lieraturfestivals Erneuerbare Lesetage und des World Future Councils traf Naoto Kan nun mit Dr. Michael Otto, langjähriger Vorstandsvorsitzender der Ottogroup und leidenschaftlicher Befürworter der Energiewende in Deutschland, sowie Jakob von Uexküll, Gründer des WFC und des ‘Alternativen Nobelpreises’ zusammen, um über seine Erfahrungen sowie die Zukunft der Energiepolitik zu sprechen.

Wenn Nato Kan von den Minuten und Stunden des 11. März 2011 berichtet, sieht man noch heute, wie sehr ihn diese Ereignisse geprägt haben. Und es wird sofort verständlich, wieso jemand, der sich zuvor klar für die Atomkraft positioniert hatte, nach einer solchen Erfahrung eindringlich vor der “Risikotechnologie” warnt. “Ich glaubte die Atomenergie sei sicher. Und ich habe mich auf die Betreiberfirmen verlassen. Bis zu dem Zeitpunkt der Katastrophe. Gerade dieRolle der Betreiberfirma Tepco war es, die die Lage sogar noch verschlimmerte. Sie wussten nicht, was genau passiert war. Und man hatte plötzlich den Eindruck, dass sie selbst das, was sie wussten, viel zu spät bekannt gaben. In einer solchen Situation ist ein Krisenmanagement besonders schwer.”

Alle Beteiligten lobten zugleich den in Deutschland beschlossenen Atomausstieg und verwiesen auf die weltweite Bedeutung der Energiewende. Klar wurde auch, dass Deutschlands Wirtschaft schon heute sehr von der Vorreiterrolle bei den Erneuerbaren Energien profitiert. Dr. Michael Otto, Ehrenratsmitglied des WFC, betonte „es gibt keine Umkehr mehr zur fossilen Energie. Es ist ganz klar: der Weg geht zur regenerativen Energie.“ Jakob von Uexküll: „Leider muss man sagen, dass man in Deutschland erst durch Fukushima wieder zu einer energiepolitischen Vernunft gekommen und zum Atomausstieg zurückgekehrt ist. Damit ist nun aber endlich die Transformationen zu einem Energiemarkt aus 100% erneuerbaren Energien unaufhaltsam in Gang gesetzt.“

Hintergrund:
Der World Future Council ist Gründungsmitglied der Global 100% RE Kampagne, die mit Hilfe von Partnern aus der Zivilgesellschaft, Industrie, Wissenschaft und Politik als erste weltweite Initiative für 100% erneuerbare Energien eintritt. Ziel ist es, ein weltweites Netzwerk aus Pionieren aufzubauen, die sich das Ziel 100% Erneuerbare Energien gesetzt oder es sogar bereits erreicht haben, um Erfahrungen auszutauschen.

Das ganze Gespräch können Sie hier nachsehen:

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WFC trifft sich zur 9. Jahreshauptversammlung

Sie sind Umweltschützer, Kinderrechtler, Friedensstifter – und alle eint ein Ziel: eine gesündere und gerechtere Welt für zukünftige Generationen. Dafür versammelte der „World Future Council“ (WFC) internationale Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur. Vom 5. bis 7. März trafen sich zahlreiche Ratsmitglieder im Hotel „Scandic Hamburg Emporio“ zur 9. Jahreshauptversammlung.

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Die Geschichte klopft an unsere Tür – es liegt an uns, ob wir aufmachen!

World Future Forum 2016 – Eröffnungsrede von Jakob von Uexküll

Winston Churchill hat einmal gesagt, in einer Krise reiche es nicht sein bestes zu tun, sondern man muss tun, was notwendig ist. Der WFC tut, was notwendig ist: er identifiziert die besten Lösungen und hilft, sie zu verbreiten. Wo ist das weltweit beste Wald-Schutz Gesetz? In Rwanda. Das beste Gesetz zur Bewahrung der Artenvielfalt? In Costa Rica. Das beste Gesetz zum Schutz von Kindern? In Sansibar. Die besten Gesetze zum Schutz der Meere, Fische und Küsten? Im pazifischen Inselstaat Palau.

Wer hat das erfolgreichste Nahrungssicherungsgesetz, welches den Hunger um 75% reduziert hat? Die Brasilianische Stadt Belo Horizonte. Wir helfen jetzt, es in Namibia einzuführen.

Das effektive argentinische Gesetz zum Einsammeln von Waffen haben wir nach Bosnien gebracht. Das beste Programm zur Reduzierung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen haben wir in der US Stadt Duluth gefunden. Wir helfen jetzt, Parlamentarier aus dem Baltikum, Georgien, Kasachstan usw. sich vor Ort darüber zu informieren. Das weltweite beste Umwelt-Erziehungsgesetz aus dem US-Staat Maryland bringen wir jetzt nach Hamburg.

Alle diese Gesetze wurden mit unserem Future Policy Award ausgezeichnet, dem ersten internationalen Preis für gute Gesetze, den wir jährlich in Zusammenarbeit mit der UN und der Inter-Parlamentarischen Union vergeben.

Hierbei geht es nicht um unsere persönliche Meinung. Alle “Gewinner” wurden nach den Kriterien für Zukunftsgerechte Gesetze analysiert die ILA (International Law Association) entwickelt hat und die 2002 auf der UN-Konferenz in Johannesburg von 192 Ländern angenommen wurden.

Das ist die Stärke der einmaligen Organisation World Future Council, die von Hamburg aus weltweit agiert: Wir sind keine sogenannte NGO mit unserer eigenen Agenda von Wünschen und Forderungen. Sondern wir untersuchen, was schon von Regierungen beschlossen wurde, und helfen bei der politischen Umsetzung, die oft blockiert ist durch Unwissen über existierende Lösungen, und durch mangelnde Kapazitäten der Parlamentarier, besonders in kleineren und ärmeren Ländern. Auch das deutsche Energie-Einspeise-Gesetz ist vorbildlich, weil es den Ausbau der erneuerbaren Energien am schnellsten beschleunigt. Der WFC hat geholfen, dieses Gesetz u.a. in Großbritannien, Süd-Afrika und Japan einzuführen. In Großbritannien, wo mir der Energie-Minister sagte, erst durch den WFC die nötigen Informationen bekommen zu haben, ist dadurch der Bau vieler Kohle-und AKWs überflüssig geworden. In Süd-Afrika wird der WFC sogar in dem neuen Energie-Gesetz erwähnt.

Der WFC hat als erstes errechnet, welche riesige Naturkapital wir verschwenden bzw. zerstören, weil wir die erneuerbaren Energien nicht starker nutzten – denn die Sonne und der Wind von heute sind ab morgen für die Nutzung für immer verloren! Der Klimawandel schreitet in Afrika so schnell voran, dass ohne radikale Gegen- Maßnahmen, schon in den nächsten Jahrzehnten hunderte Millionen Menschen von dort nach Europa aufbrechen werden müssen, weil sie zu Hause nicht mehr überleben können – so warnt der ehemalige Chef des IWF, Michel Camdessus. Wie werden wir damit fertig, wenn wenige Millionen Kriegsflüchtlinge die reiche EU schon überfordert? Wie schnell unsere Zivilisation zusammenbrechen kann, zeigte sich z.B. in New Orleans nach dem Hurrikan Katrina als die abgeworfenen Trinkwasservorräte von kräftigen Männern ausgetrunken wurden, während Kinder, Frauen und alte Menschen leer ausgingen.

Es gibt heute viele Organisationen, die erzählen was alles schlecht und bedrohlich ist und was getan werden muss. Es gibt andere die Pflaster verteilen für einzelne Probleme, und aufzählen, wie viele Pflaster eine Spende ermöglichen kann. Aber was ist, wenn die Probleme vernetzt sind und nur zusammen gelöst werden können? Was ist, wenn die Wunden so groß sind, dass Pflaster nicht mehr ausreichen, sodass die Ursachen behandelt werden müssen?

Dann müssen wir in anderen Kategorien denken. Ursachen behandeln kostet mehr als Pflastern, und erfordert einen ganzheitlichen Einsatz. Wie ich oft von jungen Menschen höre, gibt der WFC ihnen Hoffnung, dass eine positive Wende noch rechtzeitig möglich sein wird. Ob der WFC diese Hoffnungen und dieses Vertrauen erfüllen kann, hängt von ihrer Unterstützung ab!

Wir sind die Hüter aller zukünftiger Generationen von Leben, denn unsere Entscheidungen -und Nicht-Entscheidungen- werden über ihre Lebensqualität, vielleicht gar ihr Überleben entscheiden! Wir sind die mächtigsten Generationen, die je gelebt haben. Nie zuvor hatten menschliche Entscheidungen solche tiefgreifende und langfristige Konsequenzen! Unsere Verantwortung ist daher enorm.

Unsere Kinder erwarten, dass wir jetzt aktiv werden! Eine Journalistin bei der Londoner Sunday Times schrieb vor einigen Monaten, als der neue UN Klima-Bericht erschien, hat sie kein Erwachsener darauf angesprochen, wohl aber ihr 9-jähriger Sohn! Die Grundfrage ist heute nicht wie viel Menschlichkeit, wie viel Umwelt und Kultur wir uns ökonomisch leisten können, sondern welches ökonomische System wir uns menschlich, ökologisch und kulturell leisten können. Die Wachstumsraten, auf denen unser derzeitiger Lebensstandard beruht, sind auf einem enormen Schuldenberg gegenüber unserer Umwelt und zukünftiger Generationen gebaut. Wir haben seit Jahrzehnten viel mehr Forderungen auf zukünftigen Wohlstand aufgebaut, als wir tatsächlich Wohlstand geschaffen haben.

Die Älteren sagen heute gern, wenn sie nicht mehr weiter wissen, jetzt sei die junge Generation dran. Wenn ich das höre, denke ich an den jungen Mann, der mitten in meinem Vortrag wütend aus dem Saal lief und rief „Thanks a lot for leaving us a world like that!“ – „Vielen Dank, dass Sie uns so eine Welt übergeben!“ – So leicht werden wir also unsere Verantwortung nicht los!

Die drohenden unumkehrbaren “tipping-points”, die jetzt alle unsere Errungenschaften und Pläne gefährden, verlangen ernsthaftes Handeln, wenn wir nicht wollen, dass unsere Kinder und Enkel uns als egoistische Wahnsinnige sehen werden, die Risiko-Hierarchien nicht begriffen haben. Denn – um ein Beispiel zu nennen – mit Geld kann man geschmolzene Gletscher nicht mehr reparieren und für Trinkwasser gibt es keinen Ersatz.

Der WFC hilft, integrierte Lösungen für Zusammenhängende Krisen zu identifizieren und zu verbreiten. Wir arbeiten wie gesagt nicht an den Symptomen, sondern an den Ursachen. Daher haben wir, um eine Partnerorganisation zu zitieren, „outstanding convening power“, d.h. wir können andere zusammenbringen und effektive Allianzen schaffen, z.B. für Themen wie

  • 100% Erneuerbare Energien
  • Regenerative Stadt-Entwicklung oder unseren
  • Global Politik Aktions-Plan, der die verschiedenen dringenden Reformen zusammenfasst, mit erfolgreichen Lösungsbeispielen.

Der Philosoph der Hoffnung, Ernst Bloch sagte, der Preis der menschlichen Freiheit sei das Risiko , dass der große geschichtliche Augenblick auf ein zu kleines Menschengeschlecht trifft, dass der Herausforderung nicht gewachsen ist.

Die Geschichte klopft jetzt sehr laut an unserer Tür. Es liegt an jedem von uns, ob wir aufmachen!

World Future Council trauert um Hans-Peter Dürr

Hamburg, 19.05.2014 – Der World Future Council trauert um sein Gründungsmitglied Prof. Dr. Hans-Peter Dürr. Der Atomphysiker und Philosoph starb am 18. Mai im Alter von 84 Jahren in München.

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“Die globale 100% Erneuerbare Energie Koalition fordert nationale Regierungen dazu auf sich zu 100% erneuerbare Energie-Zielen und –Strategien zu bekennen.”

Warschau, 18. November 2013 – Die globale 100% Erneuerbare Energie Koalition forderte am 18. November auf dem UN Klimagipfel nationale Regierungen dazu auf sich zu 100% erneuerbare Energie-Zielen und -Strategien zu bekennen.

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