Presseinformation: Forests for Future. Innovationsdialog zur Zukunft der ländlichen Räume Afrikas in Hamburg

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Innovationsdialog – zur Zukunft der ländlichen Räume Afrikas“ des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) diskutieren am 15. August 2019 im Wälderhaus Hamburg internationale und nationale Expertinnen und Experten Herausforderungen im Spannungsfeld von Tropenwaldschutz, Hungerbekämpfung und Klimarettung. Diese Veranstaltung wird gemeinsam mit der Hamburger Stiftung World Future Council ausgerichtet.

Pressemitteilung: Weltzukunftsrat rechnet Kohlekompromiss nach

Kohleverstromung und CO2-Emissionen können trotz Reduktion der Kapazitäten um bis zu 16 Prozent zunehmen.

Hamburg, den 7. Februar 2019 – Dr. Matthias Kroll, Chefökonom der Hamburger Stiftung World Future Council (auch bekannt als Weltzukunftsrat), hat die Auswirkungen des sog. „Kohlekompromisses“ auf das Klima nachgerechnet – mit dem Ergebnis, dass die Kohleverstromung trotz Reduktion der Kapazitäten bis 2030 sogar noch zunehmen kann. Grund dafür ist die Erhöhung der Grundlast auf die verbleibenden Kohlekraftwerke durch den Atomausstieg.

„Die im Kohlekompromiss suggerierten Verbesserungen für den Klimaschutz auf dem Weg zum 1,5°C Ziel sind eine Mogelpackung.“, so Kroll.  Der bisherige Hauptkritikpunkt am Kohlekompromiss ist der mit 2038 sehr späte Ausstiegstermin. Der aktuelle Kompromiss verbirgt aber noch ein weiteres Problem, das in der bisherigen Debatte untergegangen ist: „Für den Klimaschutz ist nicht entscheidend, wieviel Kraftwerkskapazität stillgelegt wird, sondern um wieviel die Stromerzeugung mit Kohle tatsächlich zurückgeht.“ so Kroll weiter. „In dem aktuellen Modell sehe ich unterm Strich einen Anstieg der Stromproduktion aus Kohle um etwa 16 Prozent. Mit den CO2-Emissionen sieht es ähnlich aus. Deutschland muss den Fuß von der Bremse nehmen und den Ausbau der erneuerbaren Energien, der dazugehörigen Speichersysteme (,Power to Gas’) und den Bau neuer Erdgaskraftwerke deutlich forcieren. Sonst werden die CO2-Emissionen ansteigen und nicht abnehmen.”

Obwohl von den aktuell bestehenden 42 GW Kohlekraft bis Ende 2022 rund 12 GW stillgelegt werden sollen, muss damit gerechnet werden, dass die geplant verbleibenden jeweils 15 GW an Braun- und Steinkohle mehr Strom und der CO2-Emissionen produzieren werden als heute. Der Grund dafür liegt in der deutlich zunehmenden Auslastung der verbleibenden Kohlekraftwerke, da vermutet werden muss, dass sie die wegfallenden letzten 9,5 GW Kernkraftgrundlast übernehmen werden.

Während Kohlekraftwerke heute nur sehr unregelmäßig ausgelastet sind, da sie immer häufiger durch Wind- und Photovoltaikstrom aus dem Netz gedrängt werden, können sie dann weitgehend mit ihrer Höchstlast durchlaufen. Rechnerisch wird dies auf eine Zunahme von bis zu 16 Prozent an Kohlestrom und der damit verbundenen CO2-Emissionen im Vergleich mit 2018 hinauslaufen. Damit der unerlässliche Ausstieg aus der Kernkraft nicht zu einer dauerhaften Zunahme der Kohleverstromung führt, müssen die ab 2022 verbleibenden 30 GW Kohlekraft zügig weiter verringert werden.

„Es ist fraglich wie Deutschland seinem im Paris-Abkommen vertraglich zugesicherten Anteil an der Einhaltung des 1,5°C Ziels erreichen will, wenn die CO2-Emission aus der Kohleverstromung noch ein weiteres Jahrzehnt sogar über den aktuellen Werten liegen, obwohl die Reduktion auf null notwendig ist.“ kritisiert Kroll.

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Miriam Petersen
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Pressemitteilung: Globale Parlamentarier-Plattform zur Förderung von erneuerbaren Energien während UNO-Klimakonferenz ins Leben gerufen

Die neue parteien- und länderübergreifende Plattform für Parlamentarier verfolgt das Ziel, Lösungen zur umfangreichen und schnellen Förderung von erneuerbaren Energien zu entwickeln, denn „nur eine zeitnahe Energiewende hin zu erneuerbaren Energien kann die Klimakrise noch aufhalten und uns vor den verheerenden Auswirkungen schützen“.

Hamburg/Kattowitz, den 10. Dezember 2018 – Die 24. UNO-Klimakonferenz (COP24) im polnischen Kattowitz steht im Zeichen verheerender Waldbrände, Dürreperioden und anderer Wetteranomalien in diesem Jahr. Es wird deutlich, dass weitreichende Umstrukturierungen in Wirtschaft und Gesellschaft nötig werden, um den Klimawandel noch aufzuhalten. Um eine schnelle, umfangreiche und reibungslose Energiewende hin zu erneuerbaren Energien zu vollziehen, wird nun am 11. Dezember, während der COP24, die Plattform Global Renewables Congress (GRC) ins Leben gerufen. Sie ist eine parteien- und länderübergreifende Plattform für Parlamentarierinnen und Parlamentarier, die den Dialog zwischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern für eine Umsetzung einer weltweiten Energiewende vereinfachen und verbessern soll. Amtierende und ehemalige Delegierte aus nationalen und regionalen Parlamenten können Mitglieder der GRC-Plattform werden. Den Vorsitz hat Bärbel Höhn, ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages und Energiebeauftragte des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Afrika.

„Nur eine zeitnahe Energiewende hin zu erneuerbaren Energien kann die Klimakrise noch aufhalten und uns vor den verheerenden Auswirkungen schützen“, erklärt Bärbel Höhn. „Wir müssen die Erneuerbaren in großem Umfang ausbauen. Um noch eine Chance zu haben, die katastrophalen Konsequenzen der Klimakrise zu verhindern, müssen Lösungen für erneuerbare Energien flächendeckender und schneller als je zuvor umgesetzt werden. Die GRC-Plattform hat großes Potenzial, sie auf globaler Ebene voranzubringen.“

Stellvertretende Vorsitzende werden aus allen Erdteilen ernannt. Die Stiftung World Future Council, die ihren Hauptsitz in Hamburg hat, wird das Sekretariat der GRC-Plattform bereitstellen.

„Eine Vielzahl von Studien, wie beispielsweise der Bericht des Klimarates IPCC, macht deutlich, dass wir nicht einmal in die Nähe dessen kommen, was laut des Pariser Klimaabkommens nötig wäre“, bemerkt Rob van Riet, Direktor des Klima-und-Energie-Programms der Stiftung World Future Council. „Die gute Nachricht ist, dass die Energiewende technisch möglich ist und dass erneuerbare Energien signifikant dazu beitragen, die Ziele der Agenda 2030 zu erreichen; die schlechte Nachricht ist, dass es noch an politischem Willen fehlt, diese umzusetzen. Leider spielen Eigeninteressen oft eine größere Rolle als das langfristige Gemeinwohl. Die GRC-Plattform wurde ins Leben gerufen, um schneller ans Ziel zu kommen und ich bin zuversichtlich, dass hier die nötigen Synergien für eine umfassende Energiewende entstehen werden.“

Die GRC-Plattform wird durch die Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und die Stiftung Mercator ermöglicht. Weitere Unterstützung wurde von Amir Roughani, Botschafter der Stiftung World Future Council, bereitgestellt.

WEITERE INFORMATIONEN

www.renewablescongress.org
Anna Skowron
Project Manager Climate & Energy, World Future Council
anna.skowron@worldfuturecouncil.org

 

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Über die Stiftung World Future Council

Der World Future Council verfolgt das  Ziel, unseren Kindern und Enkeln einen gesunden Planeten mit gerechten Gesellschaften zu übergeben. Um dies zu erreichen, identifizieren und verbreiten wir zukunftsgerechte politische Lösungen und fördern deren Umsetzung weltweit. Unsere Hauptansprechpartner hierfür sind politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger. Wir beraten in enger Zusammenarbeit mit anderen zivilgesellschaftlichen Gruppen, Wissenschaftlern und internationalen Organisationen. So unterstützen wir Entscheidungsträger dabei, stets im Sinne von Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit zu handeln.

Interview zur Energiewende in Deutschland

„Wir brauchen eine bürger-orientierte Energieversorgung“

Warum die Energiewende nur gelingen kann, wenn Energieversorgung demokratisiert wird. Wir sprachen mit Uli Ahlke, Leiter des Kreisamtes für Klimaschutz und Nachhaltigkeit im münsterländischen Kreis Steinfurt darüber, wie Bürgerenergie erfolgreich umgesetzt werden kann.

Bürgerinnen und Bürger tragen maßgeblich zu einer erfolgreichen Energiewende in Deutschland bei. Die Landwirtschaft eingeschlossen, besitzen Privatpersonen hierzulande etwa 42% aller Erneuerbare-Energien-Anlagen [2]. Dennoch unterstützt die Deutsche Bunderegierung den stetigen Ausbau der Bürgerenergie noch zu wenig. Das zeigen beispielsweise die EEG-Novelle von 2017 [3] auf nationaler Ebene und die Verhandlungen zu der am 14. Juni diesen Jahres verkündeteten Erneuerbare-Energien-Richtlinie [4] auf europäischer Ebene; diesbezüglich wurde das Verhalten der Bundesregierung hinsichtlich der Interessensvertretung von Bürgerenergie stark kritisiert [5]. Doch auch lokale Regierungen und Verwaltungen können entscheidend dazu beitragen, Bürgerenergie voranzutreiben. Der münsterländische Kreis Steinfurt, nahe der niederländischen Grenze, beschreitet in dieser Beziehung einen vorbildlichen Weg. Seine 24 Kommunen mit etwa 445.000 Einwohnerinnen und Einwohnern haben sich zur Aufgabe gemacht, bis 2050 bilanziell energieautark durch erneuerbare Energien zu sein – und das mit einer größtmöglichen Beteiligung der lokalen Bevölkerung. Bereits heute stammen mehr als 60% des Stroms aus erneuerbaren Energien. Wir sprachen mit Uli Ahlke, Leiter des Kreisamtes für Klimaschutz und Nachhaltigkeit, über die Rolle und Möglichkeiten lokaler Behörden bei der Unterstütztung von Bürgerenergie, über den Umgang mit nationalen Hindernissen sowie über die Zukunft der Energiewende in Deutschland.

 

Was ist Bürgerenergie?

Das  Bürgerenergiekonzept basiert auf der Idee der lokalen Trägerschaft von Erneuerbaren Energien. Die „International Renewable Energy Agency (IRENA) Coalition for Action“ beschreibt Bürgerenergie als die wirtschaftliche und operative Beteiligung und/oder das Eigentum von Bürgerinnen und Bürgern oder Mitgliedern einer bestimmten Gemeinschaft an einem Projekt für Erneuerbare Energien. Die drei Hauptkriterien, die Bürgerenergieprojekte von anderen Projekten unterscheiden, sind lokale Beteiligung am Eigenkapital (mehr als 50%), lokale Stimmhoheit im Projekt und mehrheitlich lokaler Verbleib der sozialen und wirtschaftlichen Wertschöpfung, die durch das Projekt entsteht.[1]

 

Einsatz für Bürgerenergie: Uli Ahlke ist Leiter des Kreisamtes für Klimaschutz und Nachhaltigkeit im münsterländischen Kreis Steinfurt

World Future Council: Der Kreis Steinfurt strebt an, bis 2050 energieautark durch erneuerbare Energien zu sein. Warum haben Sie sich dazu entschieden, Bürgerenergie zu fördern, um den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben, anstatt sich auf groß angelegte Investitionen zu fokussieren?

Uli Ahlke: Wir haben Untersuchungen in unserer Region angestellt und wissen, dass die bilanzielle Energieautarkie nur dann zu erreichen ist, wenn wir die Energiewende regional und dezentral gestalten  ̶  und, dass es nicht ohne die Bürgerinnen und Bürger geht. Wir haben vor etwa 18 Jahren schon einmal einen ganz intensiven Windenergie-Ausbau mit sehr vielen Fremdinvestoren in dieser Region erlebt, welcher relativ schnell an Akzeptanzgrenzen gestoßen ist.

Unsere hoch gesteckten Ziele, da sind wir uns sicher, können ohne die Windenergie nicht erreicht werden. Also haben wir uns gefragt, was müssen wir tun, damit wir bei einem neuen Ausbau-Schwung die Akzeptanz erhalten. Dafür mussten wir die Menschen in die Planungsverfahren transparent einbinden und ihnen die Möglichkeit bieten, sich finanziell zu beteiligen, um von der lokalen Wertschöpfung zu profitieren. Immerhin gibt der Kreis Steinfurt im Jahr 1,5 Milliarden Euro für Energie aus – für Strom-, Wärme- und Mobilitätsenergie. Geld, das wir im Sinne regionaler Wertschöpfung in der Region behalten wollen.

Wie genau kann denn auf der lokalen Ebene die Bürgerenergie in die Klima-Aktionsplanung eingebunden werden und welche Beteiligungs-Mechanismen waren in Steinfurt besonders wirksam?

Das, was wir hier machen ist nur möglich, weil wir dieses Team haben. Wir sind 22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich um die nachhaltige Entwicklung der Region, um ländliche Entwicklung, um Klimaschutz und Bildung für Nachhaltige Entwicklung kümmern. Das Ganze haben wir strukturell  im letzten Jahr verfestigt und einen Verein gegründet – den „energieland2050 e.V.“ . Wir organisieren breit angelegte Beteiligungsverfahren; wir machen viel Öffentlichkeitsarbeit über die klassischen Pressewege, aber inzwischen auch immer mehr über die sozialen Medien; wir argumentieren ganz stark mit regionalen Vorteilen; und wir haben viele Multiplikatoren, insbesondere seitens der Wind-Bauern.

Im Zuge des Windenergie-Ausbaus haben wir, in Abstimmung mit dem Bauernverband, mit den Stadtwerken und mit allen 24 Bürgermeistern, Leitlinien für Bürgerwind entwickelt. Diese Leitlinien sorgen nicht nur dafür, dass wir Bürgerinnen und Bürger beteiligen, sondern auch, dass die erste Anlaufstelle bei der Suche nach Krediten die regionalen Kreissparkassen und Volksbanken sind und, dass die ersten Ansprechpartner bei der Stromvermarktung immer die regionalen Stadtwerke sind.

Bei der Anwerbung von finanziellen Mitteln durch Bürgerbeteiligung haben wir allein für einen Windpark drei Veranstaltungen organisiert, zu denen etwa 900 Menschen gekommen sind. Zwei Wochen später hatten wir 30 Millionen Euro, obwohl wir nur 15 brauchten.

2011 haben wir eine „Servicestelle Windenergie“ eingerichtet. Dort arbeitet eine Kollegin, die sich um das Konfliktmanagement kümmert und immer dann, wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt, rausfährt, mit den Leuten redet und gemeinsam mit ihnen nach Lösungen sucht. Wir haben auch einen „Runden Tisch Windenergie“ eingführt und dazu alle Akteure, die am Ausbau von Windenergie beteiligt sind, vier Mal im Jahr eingeladen. Hier werden Konflikte offen und transparent angesprochen.

Ein Runder Tisch soll helfen, Konflikte zu lösen

Aber das Thema Windenergie ist nur ein Puzzleteil aus dem großen Ganzen. Wir entwickeln beispielsweise momentan einen „Masterplan Sonne“. Unser Ziel ist es, aus dem „energieland2050“ eine Bewegung zu machen, in der immer mehr Menschen im Sinne der Region Klimaschutz betreiben. Viele Mensch trauen uns zu, dass wir die Dinge, die wir in die Hand nehmen, gut machen und sie wissen, dass wir im Sinne der Agenda 21 [6] handeln. Aber das ist nicht vom Himmel gefallen, sondern im Laufe von Jahren entstanden, in denen sich Menschen kennengelernt und Vertrauen zu einander gefunden haben. Ich glaube im Übrigen auch, dass Nachhaltigkeit und Regionalität eng miteinander verbunden sind, weil wir die Anonymität aufgeben und mit Menschen zusammen arbeiten, die wir kennen.

Da stimme ich Ihnen zu. Wie gehen sie denn auf der lokalen Ebene mit nationalen rechtlichen und regulativen Hindernissen für Erneuerbare in Bürgerhand um, beispielsweise mit der EEG Novelle von 2017?

Ich glaube, die Energiewende kann nur gelingen, wenn es die, in Hermann Scheers Worten, „Demokratisierung der Energieversorgung“ gibt – wenn wir einen Durchdringungsprozess haben. Die EEG-Novelle von 2017 hat die Bürgerenergiebewegung geschwächt. Der Grund für die Schwächung der Bürgerenergie ist vermutlich die konzernorientierte Energiepolitik. Wir brauchen aber eine Politik, die bürgerorientiert ist, da eine konzern-orientierte Politik eine erfolgreiche Energiewende verhindert. Die Berliner Energiepolitik verfolge ich mit Sorge. Wenn nicht ganz schnell umgesteuert wird, werden wir das 2 Grad-Ziel sicher verfehlen.

Der von uns gewählte Steinfurter Weg ist geprägt durch unseren energetischen Imperativ „regional – dezentral – CO2-neutral“. Unterstützt und begleitet  wird dieser Weg durch das energieland2050-Unternehmernetzwerk. In diesem Netzwerk engagieren sich ausschließlich verantwortungsvolle Unternehmen aus der Region.

Eine Studie der Leuphana Universität in Lüneburg [7] hat gezeigt, dass als zentrale Hindernisse für die Initiierung von Bürgernergie-Projekten die Verfügbarkeit von Eigenkapital und der Zugang zu freien Flächen für Anlagen, wie Windkraftanlagen, gelten. Wie können lokale Behörden in diesen Bereichen Abhilfe leisten?

Wir haben zu Beginn eine Potenzialstudie gemacht und haben uns unsere Windausbaupotenziale  angeschaut. Man darf nicht verkennen, dass wir keine besonders bevorzugte Region für Windenergie sind; wir sind keine Küstenregion und teilweise suburban zersiedelt. Auf der Grundlage der Potenzialstudie haben wir gemeinsam mit dem Bauernverband, den Bürgermeistern und vielen weiteren Akteuren die Leitlinien für Bürgerwind entwickelt und darauf gestützt den Windenergieausbau vorangetrieben. Den Ausbau der Windenergie haben wir mit regionalen Akteuren umgesetzt – wir brauchten in unserer Region keine externen Projektierer und Berater – auch die Finanzierung erfolgte weitgehend mit Kapital aus der Region, von Bürgerinnen und Bürgern, von der Kreissparkasse und von regionalen Volksbanken – ein deutschlandweit relativ einmaliges Vorgehen.

Bau des Bioenergieparks Saerbeck

Als wir mit einigen Akteuren 2010 anfingen das Thema Windenergie aufzugreifen und dafür sogar einen Masterplan hatten, wurden wir sehr skeptisch betrachtet. Und heute gucke ich ganz relaxed zurück und sage: Hat geklappt!

Das freut mich zu hören. Dann kommen wir auch schon zur letzten Frage, die genau dort ansetzt. Sie arbeiten ja jetzt schon seit vielen Jahren mit Herzblut in diesem Bereich. Was können Sie Menschen in lokalen Regierungen, Kommunen und Verwaltungen, als Rat mitgeben, damit sie nicht Geduld und Zuversicht für ihre Arbeit in Erneuerbare und die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern verlieren?

Was man braucht ist Ausdauer, Geduld und Abstraktionsvermögen. Wir Menschen sind ja häufig ungeduldig und können uns Veränderungen nicht vorstellen, dabei verändert sich die Welt so schnell wie nie zuvor. Ich glaube, um Menschen zu gewinnen, reicht es nicht nur, Argumente zu haben, sondern es ist wichtig ein Bild – einen Zukunftsentwurf – davon zu zeigen, wo man hin will und wie positiv die Zukunft aussehen kann. Ich zeige am Ende meiner Vorträge häufig ein Bild vom Kreis Steinfurt, auf dem kann man lesen: „Kreis Steinfurt – 24 Luftkurorte“. Wenn die Energiewende gelingt, werden wir saubere Luft atmen und es wird leiser werden. Also wenn sie gelingt  ̶  und ich gehe davon aus, dass sie zumindest in Teilen gelingt  ̶  dann wird das Leben angenehmer und wir kommen raus aus dem Luftverschmutzungsdilemma, in dem wir jetzt stecken.

Das Interview wurde geführt von Nele Kress.

Fußnoten

[1] IRENA Coalition for Action (2018). Community Energy. Broadening the Ownership of Renewables. https://bit.ly/2MCevv9 (28.08.2018).

[2] Agentur für Erneuerbare Energien (2018). Bürgerenergie bleibt Schlüssel für erfolgreiche Energiewende. https://bit.ly/2nztV4q (28.08.2018).

[3] Das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), welches erstmals im Jahr 2000 in Kraft getreten ist, ist das zentrale Steuerungsinstrument für den Ausbau von Wind- und Sonnenenergie, Wasserkraft, Biomasse und Geothermie im Bereich der Stromerzeugung in Deutschland. Die grundlegenden Veränderungen der letzten große Novelle des EEG im Jahr 2017 betreffen vor allem die obligatorische Direktvermarktung und einen grundlegenden Systemwechsel vom Modell der Einspeisevergütung hin zum Ausschreibungsverfahren. Dieses Modell wurde dafür kritisiert, die Klimaschutzziele des Pariser Abkommens zu verfehlen und Bürgerenergieprojekte zu benachteiligen.

[4] Mit dem politischen Abkommen der Europäischen Komission, des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rats zur Erneuerbare-Energien-Richtlinie am 14. Juni 2018 definiert Europa erstmals ein konkretes Recht auf erneuerbare Energieversorgung. Bürgerenergie-Akteure werden dabei als integraler Bestandteil des Energiesystems anerkannt. Die deutsche Bundesregierung, insbesondere Wirtschaftsminister Peter Altmeier, wurden dafür kritisiert, die Verhandlungen blockiert zu haben.

[5] We Act (2018). Bürgerenergie für alle – Deutschland muss Blockadehaltung in der EU endlich aufgeben! https://bit.ly/2E1cxuX (28.08.2018).

[6] Die Agenda 21 ist ein umfassender Aktionsplan der Vereinten Nationen, welcher von 172 Staaten auf der Konferenz für Umwelt und Entwicklung (UNCED) in Rio de Janeiro 1992 beschlosssen wurde. Er setzt Leitlinien für das 21. Jahrhundert, vor allem zur nachhaltigen Entwicklung, und wird von Akteuren auf lokaler, nationaler und globaler Ebene umgestzt.

[7] Leuphana Universität Lüneburg (2014). Marktrealität von Bürgerenergie und mögliche Auswirkungen von regulatorischen Eingriffen. https://bit.ly/2MKd3mr (20.08.2018)

Nachhaltige Energie ist 100% erneuerbar – Empfehlungen für die Sustainable Energy for All Initiative

Die Sustainable Energy for All Initiative (SEforAll) verspricht einen universellen Zugang zu modernen Energie Services zu gewährleisten, die Energieeffizienz Rate zu verdoppeln sowie, bis 2030, den Anteil, den erneuerbare Energien am gesamt Energie-Mix haben, zu verzweifachen. Allerdings wird im selbst herausgebrachten Fortschritt-Report der Initiative darauf hingewiesen, dass die Ziele bisher noch nicht erfüllt werden konnten.

Deshalb fasst dieser Bericht die strukturellen Defizite zusammen, die von der Initiative oft betont werden. Diese sind ein Mangel an Integration in das UN Rahmenwerk, ein umfangreicher Fokus auf die Zentralisation und Profitabilität, die unverhältnismäßige Betonung der privaten Finanzierung, ein Mangel von Inklusion diverser Business-Modellen und ein fehlende Repräsentation und Beteiligung der Zivilgesellschaft. Außerdem stellt der Bericht die SEforAll Action Agenda für 8 afrikanische Länder heraus.

Die entscheidende Legislaturperiode für das Klima

Ein Kommentar von Anna Leidreiter und Dr. Matthias Kroll

Während CDU/ CSU, FDP und Grüne interne Positionen und „rote Linien“ für die Koalitionsgespräche abstecken, gerät eine zentrale Erkenntnis in Vergessenheit: die bevorstehende Legislaturperiode bietet die letzte Chance, die Weichen für den dringend notwendigen Klimaschutz zu stellen. Zu diesem Schluss kommt auch der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) in einem Gutachten.  Und trotzdem spielte der Klimawandel bisher weder im Wahlkampf, noch in der Orientierungsphase der Parteien eine Rolle. Dabei ist gerade in Zeiten von globalen Krisen und Konflikten notwendig, dass wir demokratische und ehrliche Debatten führen. Weiterlesen

Die Bedeutung der Endogenität der Geldmenge für die globale Finanzierung der UN Nachhaltigkeitsziele

Abstract

Die Finanzierung von großen Investitionen in Klimaschutz und in die Nachhaltigkeitsziele braucht neue Mittel. Eine Möglichkeit wäre eine neue monetäre Finanzierung durch die Zentralbanken. Der Arbeitsbereich für nachhaltige Wirtschaft des WFC hat ein theoretisches Hintergrundpapier entwickelt, in dem erklärt wird, wie diese Finanzierungsmöglichkeit funktioniert und weshalb sie sich mit den aktuellen Erkenntnissen der Wirtschaftswissenschaften deckt.

100% Erneuerbare Energien für Tansania

Armutsbekämpfung, Entwicklung und Unabhängigkeit – mit 100% Erneuerbaren Energien

Der World Future Council setzt sich für die Einführung von 100% Erneuerbaren Energien in Tansania ein – für alle Tansanier. Dank unserer Arbeit ist eine „Energiewende“ in Tansania zum Greifen nah:

Voneinander lernen

In den letzten 2 Jahren haben wir energiepolitische Akteure aus Tansania in einem interaktiven Politikdialog zusammen gebracht, um die besten Lösungen für eine erfolgreiche tansanische Energiewende zu finden. Hierbei lernten tansanischer Regierungsvertreter auch von internationalen Erfahrungen, wie beispielsweise von Bangladesch. Eine wissenschaftliche Studie untermauerte außerdem diesen Prozess und zeigte, dass 100% Erneuerbare Energien nicht nur für alle Tansanier technisch möglich ist, sondern auch noch der wirtschaftlich günstigere Weg ist, das nationale Entwicklungsziel, ein Land mittleren Einkommens zu werden.

Der nächste Schritt

Die tansanische Regierung ist Dank unserer Arbeit sehr an der Umsetzung des „100%-Szenarios“  interessiert. Nun geht es darum, diese Begeisterung in konkrete politische Maßnahmen umzusetzen.

Mit Ihrer Spende möchten wir die folgenden Projekte umsetzen: 

  • Unterstützung des Energieministeriums in der Entwicklung einer „Roadmap für 100% Erneuerbare Energien in Tansania“, basierend auf den Ergebnissen der WFC Arbeit aus den vergangenen 2 Jahren: 2.000 Euro
  • Politische und strategische Begleitung einer interministerialen Arbeitsgruppe zu „100% Erneuerbare Energien zur Armutsbekämpfung“ in Tansania: 3.500 Euro
  • Unterstützung des Energieministeriums in der inhaltlichen und strategischen Vorbereitung einer internationalen Konferenz zur Vorstellung des Maßnahmekataloges: 5.000 Euro
  • Beratung der tansanischen Regierung und des Parlaments für die Entwicklung eines Finanzierungsmechanismus für 100% Erneuerbare Energien bis 2050: 8.000 Euro

 

Warum die „Energiewende“ für Entwicklungsländer?

Verlässliche Energieversorgung ist Grundlage von Entwicklung: Kinder können abends lernen, Firmen und Ämter können störungsfrei arbeiten, die Kühlung von Impfstoffen und anderen medizinischen Produkten kann gewährleistet werden und vieles mehr. Erneuerbare Energien werden immer günstiger und bieten gerade für Entwicklungsländer, die noch kein oder nur ein unvollständiges Stromnetz haben, eine echte Chance:

Sauberer

Kohlenstoffemmissionen und andere Umweltprobleme wie durch konventionelle Methoden der Energiegewinnung entfallen.


Schneller

Sie können die Menschen schneller mit Energie versorgen, da dieser im Gegensatz zu Energie aus Kohle- oder Atomkraftwerken dezentral, das heißt an ihrem Wohnort, produziert wird.


Günstiger

Es müssen weder Rohstoffe abgebaut, noch Kraftwerke errichtet, noch kilometerlange Stromnetze gebaut und gewartet werden.


Verlässlicher

Während konventionelle Energienetze in Entwicklungsländern oft veraltet sind, bieten die Erneuerbaren verlässlichere Energie: Die Systeme sind kleiner und weniger wartungsintensiv. Und die Wege sind kürzer, da lokal produziert wird.


Lokal

Erneuerbare Energien fördern lokale Wertschöpfung, indem sie Jobs vor Ort schaffen und Steuereinnahmen in den Gemeinden generieren.


Für alle

Lückenhafte öffentliche Energienetze versorgen heute nur einen Teil der Bevölkerung mit Strom. Erneuerbare Energien sind modular und flexibel. Daher können sie alle Menschen – auch in den entlegensten ländlichen Gebieten, erreichen.


Zukunftsfähig

Der Anteil erneuerbarer Energien wächst weltweit exponenziell und wird auf Dauer Kohle- und Atomstrom ablösen. Setzt ein Land auf Ökostrom, ist es zukunftsfähig.

So haben 100% Erneuerbare Energien das Potenzial, in Entwicklungsländern eine starke Mittelschicht zu bilden, Frauen und Kinder in ihren Rechten und Entfaltungsmöglichkeiten zu stärken und auf lange Sicht Frieden und Wohlstand zu schaffen.

 

Informationen und Hintergründe

Weitere Informationen findet Sie auf der Projektseite, die die Arbeit der letzten zwei Jahre zusammenfasst. Außerdem können Sie hier die Pressemitteilung zur Veröffentlichung der Studie lesen und Bilder von unseren Veranstaltungen anschauen.

 

 


Policy Roadmap für 100% Erneuerbare Energien und Armutsbekämpfung in Tansania

Dieser Bericht schlägt konkrete politische Maßnahmen vor, wie 100% Erneuerbare Energien in Tansania erreicht werden können und legt nötige Handlungsschritte seitens der Regierung dar. Er beinhaltet Überlegungen, Erfahrungen und konkrete Empfehlungen tansanischer Interessenvertreter um den Gebrauch von Erneuerbaren Energien zu erweitern und gleichzeitig nachhaltige Entwicklung voranzutreiben, sowie die Armut in dem ostafrikanischen Land zu bekämpfen.




Das Szenario: 100% Erneuerbare Energien für alle Tansanier

Diese wissenschaftliche Machbarkeitsstudie kommt zu dem Ergebnis, dass 100% Erneuerbare Energien in Tansania den Bürgern des Landes Zugang zu zuverlässigem Strom biete, und gleichzeitig den Lebensstandard auf das Niveau eines Industrielandes bis 2050 heben kann. Sie zeigt außerdem, dass Energie aus erneuerbaren Quellen etwa 30% günstiger ist als aus fossilen Rohstoffen.

 

Kontakt

Anna Leidreiter
Direktorin Klima und Energie 

Stefan Schurig verlässt den World Future Council

Liebe Kollegen und Freunde, nach über zehn Jahren beim World Future Council habe ich die Organisation Ende August verlassen um mich neuen Aufgaben zuzuwenden.