Erfolgsmodell zum Kinderschutz

Arbeitstagung in Ghana: Ein Erfolgsmodell zum Kinderschutz

Von Sansibar nach Ghana – ein Erfolgsmodell zum Kinderschutz und zur Stärkung des Ghanaischen Kinderschutzsystems

Im Dezember 2017 haben wir  politische Entscheidungsträgerinnen und –träger aus elf (vorwiegend afrikanischen und arabischen) Ländern sowie internationale Kinderrechtsrechtsexpertinnen und –experten auf den halbautonomen Teilstaat Sansibar des ostafrikanischen Landes Tansania zu einer internationalen Kinderschutz-Konferenz eingeladen. Wir tauschten uns über erfolgreiche Maßnahmen aus, die Mädchen und Jungen vor Gewalt und Missbrauch schützen. Die Teilnehmer_innen hatten dabei Gelegenheit, sich über Sansibars Erfolgsmodell zum Kinderschutz-Gesetz zu informieren, das 2015 unseren “Polit-Oscar”, den Future Policy Award in Gold, gewann und sich von der erfolgreichen Implementierung zu überzeugen.  Die Konferenz schloss mit der Sansibar-Deklaration, einer gemeinsamen Erklärung zu Sicherung von Kinderrechten.

Jetzt treten wir in die zweite Phase unseres Projektes. Das Ministerium für Kinder, Gender und Soziale Sicherheit in Ghana, dessen Vertreter bei der Konferenz in 2017 zugegen waren, ist inspiriert von den One-Stop-Centres und möchte diese nach Ghana bringen, um das Ghanaische Kinderschutzsystem weiter zu stärken.

Die Stiftung World Future Council organisiert Ende November eine Arbeitstagung in der süd-ghanaischen Stadt Ho, zu der 30 Vertreterinnen und Vertreter der Ministerien für Kinder,  Inneres und Gesundheit sowie wichtige Akteure des Kindesschutzes zusammen kommen, um sich mit Expert_innen aus Sansibar auszutauschen. Ziel des Workshops ist es, einen Aktionsplan, basierend auf dem sansibarischen Modell der “One Stop Centres” (OSC), zu entwickeln, um ein Pilotvorhaben kommenden Jahres in der Hauptstadt Accra zu starten.

Die One-Stop-Center sind Einrichtungen, die von (sexualisierter) Gewalt betroffene Kinder und ihre Familien aufsuchen können. Unter einem Dach erfahren sie medizinische und psychosoziale Erstversorgung und –betreuung, und können mit in kinderfreundlichem Umgang geschulten Polizeibeamten sprechen, die die Missbrauchsfälle sofort aufnehmen und zur Weiterverfolgung vorbereiten. Das betroffene Kind muss so sein Trauma nicht unterschiedlichen Personen an unterschiedlichen Orten wiederholt erzählen und fühlt sich gut aufgehoben. Das Personal ist darin geschult, Berichte korrekt aufzunehmen, sodass es zu keinen Verzögerungen kommt und forensische Beweise nicht zu spät gesichert werden.

In dem drei-tägigen Workshop werden sich die verantwortlichen Ministerien mit der Einrichtung der “One Stop Centres” beschäftigen und gemeinsam überlegen, wie sie ihre Zusammenarbeit verstärken können sowie wo das erste Pilotvorhaben stattfinden soll.

Wie funktioniert ein “One Stop Centre”?

In der unten stehenden Infografik können Sie erfahren, wie ein ideales “One Stop Centre” aussehen kann. Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf das Thumbnail.

WFC-Logo

World Future Council fordert: Kinderrechts-Bildung an Schulen stärken

Kinderrechts-Bildung: „Frieden, Toleranz und Demokratie sind in Gefahr, aber Kinder und Jugendliche können unsere Gesellschaft stärken!“

Hamburg, den 18. September 2018 – Anlässlich des Weltkindertages am 20. September fordert die Hamburger Stiftung World Future Council, dass Kinder- und Menschenrechte sowie Kinderrechts-Bildung wirksamer in der Bildungspraxis gelernt, erlebt und in diese integriert werden müssen. Angesichts der besorgniserregenden demokratiekritischen oder gar -feindlichen Entwicklungen in Deutschland wird dies umso wichtiger. „Demokratie und Menschrechts-Bildung sind eng miteinander verwoben. Ich sehe Frieden, Toleranz, Gleichberechtigung und Demokratie in Gefahr, wenn diese Themen nicht erlebbar gemacht werden. Kinder und Jugendliche, die aufgeklärt und selbstbewusst damit umgehen, können unsere demokratische Gesellschaft langfristig stärken“, so Samia Kassid, Kinderrechtsexpertin des World Future Council.

Seit 1992 gilt die UN-Konvention über die Rechte des Kindes in Deutschland, und der Staat hat sich damit verpflichtet, die Rechte der Kinder zu achten, zu schützen und zu gewährleisten. Dazu gehört auch, die Kinderrechte bekannt und erlebbar zu machen, nicht nur in der Schule, sondern auch im Rahmen von Berufsausbildung sowie Fort- und Weiterbildungen aller Berufsgruppen, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben. Kinder- und Menschenrechte sollten interdisziplinär und fächerübergreifend eine größere Rolle spielen und ganzheitlich verstanden und vermittelt werden. Hier ist noch Handlungsbedarf. „Die Vermittlung von demokratischen Werten beginnt damit, dass Mädchen und Jungen Kinder- und Menschenrechte kennen, diese in Bezug zu ihren eigenen Lebenswelten setzen und lernen, Verantwortung zu übernehmen. Die Schule ist einer der wichtigsten Lern- und Lebensorte für Kinder. Daher sollte Kinderrechts-Bildung Bestandteil des Lehrplans und des Lehramtsstudiums sein, und Schulen selbst sollten demokratische Orte sein, die die aktive Beteiligung der Kinder und Jugendlichen fördern“, so Samia Kassid. „Die Politik ist hier in der Verantwortung. Daran möchte ich am Weltkindertag erinnern und zu beherztem Handeln auffordern.“

Ehrenratsmitglied des World Future Council Prof. Dr. Michael Otto unterstreicht dies:  „Kinder sind unsere Zukunft. Damit Menschenrechte in Deutschland und weltweit umgesetzt werden können, braucht es bereits bei den Kindern eine Bildungspraxis, die dies fördert. Ich wünsche mir, dass unsere Kinder und Kindeskinder in Frieden und Freiheit groß werden können und dass unser Bildungssystem dies unterstützt.“ Der Unternehmer Prof. Dr. Michael Otto unterstützt die Stiftung World Future Council seit der Gründung 2007 mit seinem besonderen Engagement für Kinderrechte und Klimaschutz.

Samia Kassid

Senior Projektmanagerin – Kinderrechte.

Samia Kassid leitet seit Mai 2014 das Team der Stiftung World Future Council für das Thema Kinderrechte. Sie verfügt über langjährige Erfahrungen in den Bereichen Kinderrechte und Advocacyarbeit und sitzt bei der National Coalition Deutschland – Netzwerk zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention im Vorstand.

Medienkontakt

Miriam Petersen
Media & Communications Manager, World Future Council
Tel: +49 40 307 09 14 19
miriam.petersen@worldfuturecouncil.org

chinesische Delegation in Maryland

Nachhaltige Bildung: Chinesische Delegation besucht Maryland

Silbergewinner des Future Policy Awards 2015 inspiriert bildungspolitische Delegation aus China

Die chinesische Delegation besucht Maryland. Umweltbildung in China gehört seit Jahrzehnten zu den Schwerpunkten der Bildungsprogramme der chinesischen Regierung. Trotz der Bemühungen ist es bis jetzt nicht gelungen, das Engagement von Schülerinnen und Schülern in Sachen Umweltschutz zu steigern. Darum ist das Interesse auf chinesischer Seite groß, von anderen Ländern zu lernen, um die Umweltbildung in China nachhaltiger umzusetzen.

2015 vergaben wir unseren alljährlichen Future Policy Award zum Thema Kinderrechte. Ein Gesetz aus Maryland, USA, gewann Silber für die vorbildlichen Umweltbildungsstandards. 2011 eingeführt, haben sie das Ziel, in Nachhaltigkeit gebildete Schülerinnen und Schüler aus der Schule zu entlassen. Um diesen Ansatz zu verbreiten, veranstalteten wir 2016 einen internationalen Workshop in Maryland zu genau diesem Thema. Es kamen Bildungsexpertinnen und -experten aus aller Welt, unter anderem auch aus China und erfuhren, wie die Umweltbildungsstandards umgesetzt werden.

Der Workshop zeigte Wirkung. Im Nachgang der Workshops besuchte am 31. Juli eine Delegation des chinesischen Ministeriums für Umwelt und Ökologie den US-Staat Maryland und tauschte sich mit Vertreterinnen und Vertretern des Bildungsministeriums zu den Umweltbildungsstandards aus. Besonders von Interesse war für die Delegation wie Umweltbildung inhaltlich und in der Lehrerfortbildung verbessert und das öffentliche Bewusstsein gestärkt werden kann.

Die Stiftung World Future Council arrangierte das Treffen und wird weiterhin den Dialog aufrechterhalten.

Junge Menschen engagieren sich für Nachhaltigkeit

Die Zusammenarbeit mit der Julius-Leber-Schule in Hamburg begann mit einer Erasmus+ -Veranstaltung der Schule, die die Leiterin unserer Kinderrechts-Abteilung Samia Kassid im  Frühsommer letzten Jahres besuchte. Im Rahmen von Erasmus+ arbeiten Schulklassen aus Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien und Spanien gemeinsam an einem Projekt über Nachhaltigkeit.

Bündnis Bildung für eine demokratische Gesellschaft gegründet

World Future Council unterzeichnet Gründungsdokument

Gruppenfoto der Unterzeichnenden bei der Gründungsfeier in Berlin

Demokratie ist ein zerbrechliches Gebilde. Sie muss von klein auf gelebt und erfahren werden, sonst geraten Werte, wie Frieden, Freiheit und Respekt vor den Menschenrechten und der Natur in Vergessenheit. Der World Future Council setzt sich bereits erfolgreich für Bildung für Nachhaltigkeit ein – nun ist er Partner eines Bündnisses, das sich in Deutschland für dieses Thema stark macht:

Am 11. Juni wurde das Bündnis Bildung für eine demokratische Gesellschaft ins Leben gerufen. Es hat das Ziel, im Verbund Bildung für eine demokratische Gesellschaft in Deutschland voran zu treiben und Kinder-/Menschenrechtsbildung verstärkt in den Mittelpunkt der Bildungskonzepte zu stellen. Der World Future Council gehört zu den ersten Unterzeichnern des Gründungsdokumentes, dem jetzt 50 Organisationen und Verbände angehören.

Kinder der Regenbogenschule Schalkenbach basteln das Kinderrechteband: es misst 2055 Meter, hat 12.330 Figuren und wurde mit 37.390 Tackernadeln befestigt.

„Als Partner des Bündnisses unterstützen wir das Anliegen, dass Mädchen und Jungen eine Bildung für eine demokratische und nachhaltige Gesellschaft erfahren und erleben. Ein großes Dankeschön geht an die Schülerinnen und Schülern der Regenbogenschule Schalkenbach, die sich mit ihrem Kinderrechteband dafür stark machen, dass Kinderrechte endlich ins Grundgesetz stehen.”, so Samia Kassid, Leiterin des Kinderrechts-Programms des World Future Council.

Bildrechte auf dieser Seite: (c) Marius Klemm Photography, für das Bündnis Bildung für eine demokratische Gesellschaft

 

 

 

Koalitionsverhandlungen – GroKo will Kinderrechte im Grundgesetz verankern

Ein Kommentar der Kinderrechtsexpertin Samia Kassid von der Stiftung World Future Council zu den Ergebnissen der Koalitionsverhandlungen der Großen Koalition

Die GroKo will die Rechte von Kindern stärken – daher sollen laut Koalitionsvertrag Kinderrechte im Grundgesetz verankert werden. Die Hamburger Stiftung World Future Council (WFC) begrüßt diesen Ansatz. WFC-Kinderrechts-Expertin Samia Kassid sagt dazu: „Die Entscheidung ist überfällig: Seit Jahrzehnten rufen Kinderrechtsorganisationen, Familienverbände und sogar das UN-Komitee über die Rechte des Kindes zu diesem Schritt auf.“

Doch der WFC warnt vor reiner Symbolpolitik: „Jetzt hängt es davon ab, wie das ,Kindergrundrecht‘ ausformuliert wird“, so Samia Kassid weiter. „Mädchen und Jungen benötigen die rechtliche Grundlage, gesund und geschützt aufzuwachsen und aktiv am gesellschaftlichen und politischen Geschehen teilzunehmen. Außerdem ist es wichtig klarzustellen, dass mit der Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz der Erziehungsauftrag der Eltern unterstützt und nicht unterwandert wird.“

„Die weiteren im Koalitionsvertrag genannten Vorhaben – wie Kinderarmut zu reduzieren, die Bildungsstruktur zu verbessern und mehr Mittel für nachhaltige Entwicklung und humanitäre Hilfe zur Verfügung zu stellen – sind weitere wichtige und überfällige Schritte.“

Klimaschutz ist Kinderschutz, findet Samia Kassid, und ruft die Regierungsparteien dazu auf, auch verstärkt die Rechte von Kindern, Jugendlichen und zukünftigen Generationen zu berücksichtigen, wenn es um die Umsetzung der Klima- und Umweltschutzziele geht: „Eine gesunde und intakte Umwelt garantiert allen Kindern weltweit, ihre Rechte auf Überleben, Schutz und Beteiligung wahrzunehmen.“

Samia Kassid leitet das Team des WFC für das Thema Kinderrechte. Sie verfügt über langjährige Erfahrungen in den Bereichen Kinderrechte und Advocacyarbeit und sitzt bei der National Coalition Deutschland – Netzwerk zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention im Vorstand. Sie ist Diplom-Volkswirtin mit Schwerpunkt Entwicklungszusammenarbeit und Umweltpolitik.

Sansibar – Ein Beispiel, von dem wir lernen können

Als positives Beispiel für die Implementierung eines Gesetzes, das Kindern Rechte, Sicherheit und Gerechtigkeit zusichert, haben wir das “Kinderrechtsgesetz” von Sansibar identifiziert. Mehr Informationen über unsere Arbeit dazu finden Sie hier:

Wenn gute Gesetze Leben verändern

Was wir von Sansibar lernen können

Einen besonders großen Beifall auf unserer internationalen Kinderrechte-Konferenz in Sansibar bekam der indonesische Vertreter, als er seine Prioritätenliste für effektive Kinderrechtsgesetzungen aufzählte: „Erstens: Implementierung. Zweitens: Implementierung. Und drittens? Implementierung!”, donnerte es dem aufnahmefähigen Publikum entgegen. Damit traf er bei den versammelten Delegierten einen Nerv – denn alle wissen um gute Kindergesetze auf dem Papier und den langen, oft sehr beschwerlichen Weg, diese auch erfolgreich umzusetzen. Genau hier setzte der World Future Council an und lud Ende 2017 über 100 engagierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 15 Ländern, vornehmlich Afrika und Asien, nach Sansibar ein. Miteinander reden, voneinander lernen und „best practises” austauschen stand im Fokus der Konferenz.

Schulmädchen in Sansibar City

Sansibars Kindergesetz von 2011 wurde 2015 mit dem Future Policy Award in Gold ausgezeichnet, und wir wollten vor Ort erfahren, was diese kleine, halb-autonome Insel, die zu Tansania gehört, unternommen hat, damit Kinder nachhaltigen Schutz und Gerechtigkeit vorfinden.

2009 war Tansania eines der ersten afrikanischen Länder, das eine landesweite Studie vornahm, die Gewalt gegen Kinder untersuchte. Die Studie ergab, dass 6% der Mädchen und 9% der Jungen sexuellen Missbrauch erfahren. Etwa drei Viertel der Kinder unter 18 Jahren haben in ihrem Leben körperlichen Missbrauch erleben müssen. Darüber hinaus zeigte der Bericht besorgniserregende Zahlen zum Ausmaß von Kinderarmut und Kinderarbeit. Noch im selben Jahr begannen die Vorbereitungen an einem umfangreichen Kindergesetz, das diese Herausforderungen direkt angehen und Sansibars Gesetzgebung im Einklang mit internationalen Kinderrechte Standards zu bringen sollte . Sansibars ‚Kindergesetz‘ wurde 2011 in Lebens gerufen und befasste sich mit allen Aspekten von Kinderrechten: Familie, Herkunft, Obhut und Sorgerecht, Betreuung, Adoption, sowie mit dem Schutz vor Gewalt, Missbrauch, Vernachlässigung und Ausbeutung. Seitdem arbeitet Sansibar weiterhin daran, die Implementierung des Gesetzes voranzutreiben und Lücken zu verbessern, so dass jedes Kind auf der Insel davon profitieren kann: Ein neues integriertes Kinderschutzsystem wurde aufgebaut und mit ihm ein Nationaler Aktionsplan gegen Gewalt gegen Frauen und Kinder auf dem Weg gebracht. Entscheidender Erfolgsfaktor hierbei ist, dass die verschiedenen Elemente dieses neuen Systems einander strategisch und inhaltlich unterstützen und ergänzen.

Beratungsraum in Sansibar, speziell für Kinder gestaltet, die Opfer von Gewalt wurden

Um den Erfolg der Kinderschutzeinrichtungen nicht nur in der Theorie zu verstehen, sondern auch in der Praxis erleben zu können, besuchten wir zusammen mit den Teilnehmern der Konferenz verschiedene Kinderschutzeinrichtungen. Dort waren wir begeistert von der kinderfreundlichen und positiven Atmosphäre: an den Wänden des Kinder- und Jugendgerichts leuchten bunte Wandbilder, Puppen und Teddybären sitzen auf dem Schreibtischen der Beamten. Täteridentifizierungen durch die betroffene Kinder können per Videoschaltung durchgeführt werden, sodass junge Menschen ihre Aussage nicht in einer bedrohlichen Atmosphäre machen müssen. Das Personal ist geschult und geht sensibel mit Opfern und Tätern um, die meist minderjährig sind.

Die „One Stop Centres“ sind örtliche Anlaufstellen für von Missbrauch und Gewalt Betroffene. Rund um die Uhr geöffnet, können diese Einrichtungen jederzeit und direkt nach der Tat aufgesucht werden; die Räume sind freundlich gestaltet und bieten Geborgenheit und Schutz der Privatsphäre. Bei der Meldung einer Gewalttat muss das betroffene Kind medizinisch untersucht und polizeilich vernommen werden. Um Kindern und Eltern Angst und Verunsicherung zu sparen und die Hemmschwelle, die Tat zu melden, abzubauen hat man in Sansibar einen einfachen, aber sehr effektiven Weg gewählt: Geschultes psychologisches und medizinisches Personal sowie Polizeibeamte befinden sich alle an einem Ort und sind in zivil.

Die Koordination der Einrichtungen spielt eine entscheidende Rolle für deren Erfolg der Implementierung des Gesetzes. Die Nationale Kindesschutzeinheit (National Child Protection Unit, NCPU) ist für die Umsetzung der nationalen Strategie zuständig. Ein kleines Team koordiniert die Arbeit der verschiedenen Sektoren, wie Soziales, Gesundheitswesen, Bildung und Justiz unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft, internationale Organisationen sowie Familien und Kinder. Somit soll gesichert werden, dass Jugendgerichtsbarkeit und Kinderschutz wirklich wirksam umgesetzt werden. Im Zuge dessen dienen die Kinderrechts-Zentren „Child Rights Centre” als Knotenpunkt für zivilgesellschaftliche Organisationen, die im Bereich der Kinderrechte tätig sind, Schwachstellen aufdecken und mit dazu beitragen können, diese zu schließen. So beispielsweise die Kampagne “Baba Bora” (Swahili für „guter Vater”), die sich an Väter und männliche Erzieher, Männer und Jungen richtet, um Einstellungen und Denkweisen gegenüber Frauen und Mädchen zu ändern, Geschlechtergerechtigkeit voranzutreiben sowie gewaltfreie Erziehung und Umgang zu propagieren. Die vielen Elemente der Kampagne regten einen gesellschaftlichen Diskurs an, wie beispielsweise eine Ausstellung, in der Mädchen und Jungen ihren Wunsch nach gewaltfreier und positiver Erziehung zum Ausdruck brachten oder die Botschaften eines beliebten R&B Songs, der die Botschaft transportierte.

Natürlich gibt es in Sansibar noch jede Menge zu tun, bis Kindergesetze und Nationale Aktionspläne vollständig umgesetzt sind – und damit Kinderrechte wirklich sichergestellt sind. Angesichts der begrenzten Ressourcen Sansibars haben uns die Innovationen und Fortschritte in in der Umsetzung des Kindergesetzes stark beeindruckt. Es ist der ganzheitliche systemischer Ansatz, das als Vorbild dienen kann.

Doch warum lassen ähnliche Erfolge in anderen Teilen der Region auf sich warten oder werden nur langsam angegangen?

„Weil Kinder nicht wählen, werden sie von der Politik oft nicht wahrgenommen”

Jugendliche verdienen eine Chance. Sansibar hat eine Menge an Einrichtungen für junge Menschen, die Opfer von Gewalt und Missbrauch geworden sind oder aus einem gewaltsamen Umfeld fliehen wollen.

Ein Teil der Antwort liegt mit Sicherheit in den Kosten. Auf dem afrikanischen Kontinent machen Kinder beinahe die Hälfte der Bevölkerung aus – was jedoch nicht automatisch bedeutet, dass sie in politischen Entscheidungen entsprechend viel Beachtung finden. Laut Dr. Nkata Murungi vom African Child Policy Forum gilt vielmehr, „weil Kinder nicht wählen, werden sie von der Politik oft nicht wahrgenommen”. Sind die nötigen Gelder und Ressourcen einmal vorhanden, bleibt die Abhängigkeit von externen Entwicklungsorganisationen groß. In Afrika beispielsweise sind Einrichtungen, die sich mit Kinderschutz befassen auf langfristige und nachhaltige Finanzierung angewiesen, um Sozialarbeiter auszubilden und zu unterhalten, und wirksame Kinderschutzsysteme aufzubauen, was stets mit Kosten verbunden ist. So wird Sansibars Nationaler Aktionsplan über die nächsten vier Jahre jährlich 4 Mio. US Dollar kosten. Fest steht aber, dass Überleben, Schutz und Entwicklung von Kindern nur dann vorangebracht werden kann, wenn die entsprechenden Mittel zur Verfügung gestellt werden. Dies ist besonders in Afrika der Fall, wo schon der Zugang zu Grunddienstleistungen eine große Herausforderung ist.

Ressourcen – wie knapp sie auch sein mögen – sind nirgendwo besser investiert, als bei den jüngsten Bürgerinnen und Bürger. In Kinder zu investieren bedeutet, auch in unsere gemeinsame Zukunft zu investieren. Ob Nationen und Gesellschaften wachsen und gedeihen können, wird vor allem von den Faktoren Gesundheit, Bildung, Schutz, Ideenreichtum und Innovationskraft der kommenden Generationen abhängen.

Die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs) bieten uns eine besondere Vorgabe, Kinderrechte zu verwirklichen, sei es Armutsbekämpfung (Ziel 1), Hunger zu beseitigen (Ziel 2), Gesundheit (Ziel 3) und Bildung (Ziel 4) voranzutreiben, Geschlechtergerechtigkeit herzustellen (Ziel 5), Klimawandel zu begegnen (Ziel 13) oder Gewalt gegen Kinder (Ziel 16.2) endgültig zu beenden. Es gilt also, keine Zeit zu verlieren: Ein Jahr macht 6 % der Kindheit aus. Jede weitere Verzögerung, sich nicht für ihre Interessen einzusetzen, ist eine verlorene Gelegenheit. Packen wir’s an!

Kinder effektiv vor Gewalt schützen: internationale Konferenz in Sansibar

Auf der vom WFC ausgerichteten internationalen Kinderrechte-Konferenz tauschten sich Kinderschutzexpertinnen und -experten über gute Praxisbeispiele aus, und erhielten Einblicke, wie Sansibar, das vom WFC mit Gold ausgezeichnete Kindergesetz umsetzt. Das Themenspektrum umfasste Kinderschutz, kinderfreundliche Justiz und Kinderbeteiligung.

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Pressemitteilung: Ein Unternehmer mit großem Einsatz für Nachhaltigkeit

 

Ein Unternehmer mit großem Einsatz für Nachhaltigkeit

World Future Council gratuliert Ehrenratsmitglied Dr. Michael Otto  zum 75. Geburtstag

Hamburg, 9. April 2018: Am 12. April 2018 feiert Dr. Michael Otto, Unternehmer und Ehrenratsmitglied des Weltzukunftsrates, seinen 75. Geburtstag. Der World Future Council und sein Gründer Jakob von Uexküll gratulieren herzlich und würdigen den vorbildliche Einsatz des Unternehmers für Klimaschutz und Kinderrechte.

Dr. Michael Otto mit seiner Ehefrau Christl und Tochter Janina Özen-Otto auf einer Veranstaltung des WFC.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Otto Group ist ein großer Unterstützer des World Future Councils. Dr. Otto hatte die Gründung des World Future Councils im Mai 2007 gemeinsam mit der Stadt Hamburg ermöglicht und unterstützt den World Future Council in den Themengebieten Klimaschutz und Kinderrechte. So hat Dr. Otto sich erfolgreich für die Etablierung einer international Erneuerbaren Energienagentur (IRENA) eingesetzt, für eine Allianz für Erneuerbare Energien in Afrika und für den Schutz von Kindern in Afrika. Aktuell fördert er gemeinsam mit seiner Tochter Janina Özen-Otto das Kinderrechts-Programm des World Future Council. Eine von ihm unterstützte Studienreise des World Future Councils zu Bildung für nachhaltige Entwicklung hat dazu geführt, dass in Peru Umweltbildungswochen und ein Bildungstag in der Natur in Schulen eingeführt wird.

Nachhaltigkeit und die Sorge um unseren Planeten sowie die Zukunft heranwachsender Generationen sind weitere Triebfeder seines Engagements.

„Dr. Otto ist uns allen ein wunderbares Vorbild“, so Jakob von Uexküll. „Ich danke ihm für sein visionäres nachhaltiges Denken und Handeln, das in vielfältigem Engagement resultiert: für den World Future Council, unsere Stadt, unsere Kinder und für zukünftige Generationen.”

 

MEDIENKONTAKT
Miriam Petersen
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ÜBER DEN WORLD FUTURE COUNCIL

Der World Future Council (WFC) verfolgt das Ziel, unseren Kindern und Enkeln einen gesunden Planeten mit gerechten Gesellschaften zu übergeben. Um dies zu erreichen, identifizieren und verbreiten wir zukunftsgerechte politische Lösungen und fördern deren Umsetzung weltweit. Der Rat besteht aus 50 internationalen Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Kultur.  Jakob von Uexküll, der Gründer des Alternativen Nobelpreises, hat den World Future Council 2007 ins Leben gerufen.

Delegierte aus 12 Ländern unterzeichnen Erklärung zur Sicherung von Kinderrechten

Unterzeichnerinnen und Unterzeichner aus Afrika, Asien und dem arabischen Raum, die von ihren Ministerien zu der Konferenz entsandt wurden,  betonen den gemeinsamen Willen, Gewalt gegen Mädchen und Jungen zu beenden, Kinderehen abzuschaffen  und erheben die Forderung nach höheren Budgets für Kinder.

-PRESSEMITTEILUNG-

Sansibar, den 01. Dezember 2017: Zum Abschluss der Internationalen Konferenz für Kinderrechte, ausgerichtet von der Hamburger Stiftung World Future Council, haben die Vertreterinnen und Vertreter aus 12 Ländern sowie Kinderrechtsexperten eine Erklärung zur Sicherung von Kinderrechten unterzeichnet. Sie kommen aus Ghana, Indonesien, Liberia, Nigeria, Seychellen, dem teilautonome Somali Land, Südafrika, Süd Sudan, Sudan, Tansania, Tunesien, und dem teilautonomen Sansibar. Zusätzlich  haben die Teilnehmer für ihre Länder Aktionspläne entworfen, wie die vorhandenen Kinderschutz-Gesetze besser umgesetzt werden können.  Federführend bei der Erklärung war Dr. Amb. Gertrude Ibengwé Mongella, WFC Ehrenratsmitglied und ehem. Präsidentin des Pan-Afrikanischen Parlaments.

Die Delegierten lehnen alle Formen von Gewalt gegen Kinder ab.  Sie betonen die Notwendigkeit, Gesetzgeber und Bevölkerung in ihren Heimatländern verstärkter über die Auswirkungen von Gewalt gegen Jungen und Mädchen, einschließlich Kinderehen und körperlicher Bestrafung zu sensibilisieren, da diese eine erhebliche Verletzung von Kinderrechten darstellen. Ferner fordern sie, die Implementierung von Kinderschutz in den Ländern voranzutreiben. In der Erklärung bekräftigen  die Delegierten  ihre Bereitschaft sich dafür einzusetzen, Kinderschutzsysteme und Gewaltpräventionsmaßnahmen zu stärken, Sozialarbeit auszubauen und die Koordination des Kinderschutzes auf allen Ebenen zu verbessern. Sie fordern, mehr öffentliche Gelder für den Kinderschutz bereitzustellen.

Ferner haben sie sich bereit erklärt dazu beizutragen, auf lokaler und nationaler Ebene, die auf der Konferenz vorgestellten effektiven Maßnahmen zum Schutz und Beteiligung von Kindern in ihre Ministerien weiterzutragen. Die Delegierten bekennen sich zu den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen („SDGs”), alle Formen von Gewalt gegen Jungen und Mädchen zu beenden, insbesondere Ziel 5 und 16, sowie die Erklärung von Kindern zu stärken.

Dr. Auma Obama, Vorsitzende der Kinderrechtskommission des World Future Council, sowie Vorsitzende und Gründerin der Stiftung Sauti Kuu, unterzeichnete ebenfalls die Deklaration. Sie sagte:

“Gewalt gegen Mädchen und Jungen schadet den Kindern und ihrer Zukunft. Diese Konferenz und die Sansibar-Erklärung sind ein großer Schritt vorwärts zu einer kinderfreundlichen und zukunftsgerechten Welt. Gesetzgeber sind nun dringend aufgerufen, effektive Maßnahmen zum Schutz der Kinder zu ergreifen. Sansibar hat vorgemacht, wie es geht!”

Die Konferenz wurde unterstützt von Janina Özen-Otto, JUA Stiftung und Michael Otto Stiftung.

 

Lesen Sie die vollständige Erklärung zur Sicherung von Kinderrechten.

Participants from across Africa and Asia joined the International Conference on Child Justice, Protection and Participation

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Der World Future Council

Der World Future Council (WFC) wurde 2007 von Jakob von Uexküll, ebenfalls Gründer des Alternativen Nobelpreises, in Leben gerufen. Der WFC stellt die Interessen zukünftiger Generationen ins Zentrum von Politikgestaltung. Der Rat besteht aus 50 internationalen Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur, die in ihrem Themenbereich bereits Herausragendes geleistet haben. Im Rat sitzen bspw. die Kinderrechtlerin Auma Obama, die Schimpansen-Forscherin Jane Goodall und die indische Wissenschaftlerin und Aktivistin Vandana Shiva. Der Rat setzt sich für gesetzliche Rahmenbedingungen ein, die heutigen wie zukünftigen Generationen das Leben in einer gerechten und ökologisch intakten Welt ermöglichen. Die Hauptansprechpartner hierfür sind politische Entscheidungsträger und Parlamentarier, aber auch Partner aus der Zivilgesellschaft, Wirtschaft und internationalen Organisationen. Für eine nachhaltige, gerechte und friedliche Zukunft, in der universelle Rechte respektiert werden, erforschen, identifizieren und verbreitet der World Future Council die besten
globalen politischen Lösungen.