Pressemitteilung: Sind die deutschen Haushaltsüberschüsse nachhaltig?

Ökonomische Zusammenhänge besser verstehen:

Neue Einführungsbroschüre des World Future Council über die wirtschaftlichen Verbindungen von Schulden und Vermögen

Hamburg, den 23.6.2017 „Deutsche Überschüsse sind nur dann möglich, wenn das Ausland seine Defizite über Kredite aus Deutschland finanziert.“, sagt ,Future Finance‘ Chefökonom beim World Future Councils (WFC), Dr. Matthias Kroll „Nur dann ist es dem Ausland möglich mehr Produkte in Deutschland zu kaufen als es selber nach Deutschland exportiert. Die daraus resultierenden finanziellen Forderungen Deutschlands an das Ausland haben sich zuletzt aber oft wenig werthaltig erwiesen.“ 

Der WFC hat zu diesem Thema eine Broschüre veröffentlicht: „Schulden und Vermögen“ erklärt in einfacher Form den unmittelbaren Zusammenhang zwischen Geldschulden und Geldvermögen auf nationaler wie auf internationaler Ebene. Zum G20-Gipfel in Hamburg hoch aktuell macht deutlich, dass hohe Exporte nur dann nachhaltig sind und zu mehr Wohlstand für alle führen, wenn das verdiente Geld für entsprechende Importe genutzt wird. Nur dann können schädliche Ungleichgewichte verhindert werden.

Die zunehmende internationale Kritik hat die Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt wie selten zuvor. Die deutsche Verteidigung des eigenen Überschusses liegt in dem, einzelwirtschaftlich richtigen Gedanken, dass Überschüsse immer etwas Gutes sind, Defizite dagegen schlecht. In einer gesamtwirtschaftlichen Betrachtung zeigt sich jedoch, dass die Überschüsse des einen immer den Defiziten, bzw. der Verschuldung, der anderen entsprechen. Der Saldo aller Länder ist immer Null. Demnach kann die Anwendung einzelwirtschaftlich richtiger Regeln auf makroökonomische Probleme zu fatalen wirtschaftspolitischen Fehlentscheidungen führen.

Ähnliches gilt für den rein binnenwirtschaftlichen Geldvermögensaufbau. Erspartes Geld kann nur dann mit Zinserträgen angelegt werden, wenn ein Schuldner mit einem erfolgversprechenden Geschäftsmodell bereitsteht, der das geliehene Geld inklusive der vereinbarten Zinsen zurückzahlen kann. Und fällt der Schuldner aus, weil das Geschäftsmodell nicht so funktioniert wie erwartet, fällt auch das Vermögen aus.

Das Verständnis der saldenmäßigen Zusammenhänge von Finanzströme ist aber auch für die Finanzierung des globalen Klimaschutzes und der neuen UN Sustainable Development Goals (SDGs) wichtig, weil dazu in den nächsten Jahren erhebliche Gelder von den reichen, industrialisierten Ländern in die Entwicklungsländer transferiert werden müssen.

„Dabei wird die Herausforderung darin liegen neue, globale Finanzierungswerkzeuge zu initialisieren mit denen zu starke Leistungsbilanzungleichgewichte vermieden werden können“, so Kroll.

 

Pressekontakt

Miriam Petersen
Media & Communications Manager
Phone: +49 40 307 09 14 19
miriam.petersen@worldfuturecouncil.org

Dr. Matthias Kroll
Chief Economist – Future Finance
matthias.kroll@worldfuturecouncil.org

World Future Council

Der World Future Council (WFC) ist eine gemeinnützige Stiftung mit Hauptsitz in Hamburg. Der Gründer und Vorstandsvorsitzende, Jakob von Uexküll, gründete auch den Alternativen Nobelpreis. Der WFC setzt sich für ein verantwortungsvolles, nachhaltiges Denken und Handeln im Sinne zukünftiger Generationen ein. Seine Mitglieder kommen aus Politik, Geschäftswelt, Wissenschaft und Kultur – und von allen fünf Kontinenten. Der Rat identifiziert mithilfe seines Netzwerks von Wissenschaftlern, Parlamentariern und Umwelt-Organisationen weltweit zukunftsweisende Politikansätze und unterstützt ihre Umsetzung auf internationaler, nationaler und regionaler Ebene. Weitere Infos finden Sie unter www.worldfuturecouncil.org.

 

 

 

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