Gemeinsame Erklärung zum Schutz weiblicher Flüchtlinge, geflüchteter Kinder und unbegleiteter Minderjähriger vor Gewalt

GEMEINSAME ERKLÄRUNG

Wir erleben aktuell die höchste Anzahl von Menschen seit dem Zweiten Weltkrieg, die ihr Zuhause aufgrund bewaffneter Konflikte, den Folgen des Klimawandels oder aus anderen Gründen verlassen mußten.  Weltweit sind mehr als 60 Geflüchtete unerträglichen Bedingungen ausgesetzt, sowohl in ihren eigenen Ländern, als auch in Nachbarländern oder Ländern, die noch weiter entfernt sind. All diese Geflüchtete sind in einer schweren Lage und ein globaler, humanitärer Ansatz ist notwendig, um diese Herausforderung besser zu adressieren und effektiv Fluchtursachen zu bekämpfen. Wir erkennen jedoch, dass  einige demographische Gruppen besonders schutzbedürftig sind und möchten die Aufmerksamkeit darauf lenken, was deshalb zu tun ist.

Deshalb rufen wir, die Unterzeichnenden dieser Erklärung, Ratsmitglieder und Botschafter des World Future Council, alle Regierungen, internationalen Organisationen, Akteure humanitärer Hilfe und zivilgesellschaftliche Organisationen auf, ihre Bemühungen zum Schutz weiblicher Geflüchteter sowie von geflüchteten Kindern und unbegleiteten Minderjährigen vor Gewalt massiv zu verstärken. Vor Gewalt, der sie auf ihrem Fluchtweg und in den Ländern, in denen sie Schutz suchen – vor allem auch in der Flüchtlingsunterbringung, ausgesetzt sind.

Eine zunehmende Anzahl Geflüchteter sind Frauen, Kinder und unbegleitete Minderjährige. Sie sind auf jeder Etappe ihres Fluchtweges spezifischen Sicherheitsrisiken ausgesetzt, u.a. Vergewaltigungen, sexueller Ausbeutung, Missbrauch und Belästigung, psychologischer Gewalt, Menschenhandel, Kinder- und Zwangsheirat, häuslicher Gewalt, Kindesentführung, Trennung von Familienangehörigen und Erpressung durch Schleuser. Wir sind überzeugt davon, dass die Verhinderung und adäquate Reaktion auf solche Rechtsverletzungen vor allem bei nationalen Regierungen und internationalen Organisationen liegt, in dem sie Policies, Programme und Reaktionsstrategien entwickeln, die diese verletzlichen Gruppen vor Gewalt schützen. Wir fordern daher ausdrücklich diese Akteure auf, den besseren Schutz weiblicher Geflüchteter sowie geflüchteter Kinder und  unbegleiteter Minderjähriger auf ihrem Fluchtweg, in Transit- und Aufnahmezentren als akute Priorität zu behandeln.

Wir rufen Regierungen, internationale Organisationen und alle weiteren relevanten Akteure ins Besondere dazu auf:

  • eine grenz-übergreifende Strategie zur Identifikation und zum Schutz besonders schutzbedürftiger Fälle zu entwickeln
  • Sicherzustellen, dass:

– Transit- und Aufnahmezentren in einer kinderfreundlichen und geschlechtersensiblen Art und Weise errichtet werden, die die Sicherheit von Frauen und Kindern priorisieren und mit ausgebildetem Personal ausgestattet sind, um Opfer von Gewalt zu identifizieren und zu unterstützen

– Einrichtungen für Flüchtlinge so gestaltet sind, dass es nach Geschlechtern getrennte Bereiche und Bereiche für Familien gibt, gut beleuchtet, mit verschließbaren Sanitär- und Gesundheitsbereichen, kinderfreundlichen Räumlichkeiten und sicheren privaten Räumen

– es spezifische Dienste gibt, die sich um Gewaltopfer kümmern

– die Prinzipien der Gleichberechtigung, Anti-Diskriminierung und gegenseitigem Respekt in den Aufnahmezentren gelten

– es effektive  Systeme zur amtlichen Vormundschaft für unbegleitete Minderjährige, sowie für die Identifikation von Familienangehörigen und zur zügigen Familienzusammenführung gibt.

– Frauen, Kinder und unbegleitete Minderjährige umfassend über ihre Rechte informiert sind, in einer Sprache, die sie verstehen

  • Den politischen Willen zu stärken, um humane Lösungen zu finden, anstatt Grenzen zu schließen. Diese Lösungen schließen die Bekämpfung von Fluchtgründen ein, sind aber nicht darauf beschränkt.

Mit ausreichend politischem Willen sowie einer koordinierten, umfassenden Aktion werden wir in der Lagesein, die Sicherheit dieser besonders schutzbedürftigen Gruppen zu gewährleisten.

 


UnterzeichnerInnen

  • Dr. h.c. Hafsat Abiola-Costello, Gründerin, Kudirat Initiative for Democracy (KIND)
  • Monique Barbut, Exekutivsekretärin des Übereinkommens der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD)
  • Dipal Chandra Barua, Mitbegründer der Grameen Bank, Gründungsmanager von Grameen Shakti, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Bright Green Energy Foundation
  • Kehkashan Basu, Globale Koordinatorin der UNEP-Jugendorganisation „Children and Youth“ (MGCY)
  • Shuaib Chalklen, Gründer und Vorsitzender des afrikanischen Behindertenforums und ehemaliger UN-Sonderberichterstatter für Behinderung in Südafrika
  • Prof. Ana María Cetto, Physikprofessorin, Universidad Nacional Autónoma de México
  • Dr. Tony Colman, Stellvertretender Direktor, Africapractice; Research Fellow, University of Cape Town, Earth Institute at Columbia University, and University of East Anglia
  • Dr. Marie-Claire Cordonier Segger
  • Thais Corral, Gründerin, Sinal do Vale; Mitbegründerin der Women, Environment and Development Organization (WEDO)
  • Dr. Scilla Elworthy, Gründerin der Oxford Research Group
  • Dr. María Fernanda Espinosa Garcés, Ständige Vertreterin der Republik Ecuador bei den Vereinten Nationen
  • Dr.  Sándor Fülöp, Ehemaliger Kommissar, Grundrechte und Schutz der Interessen für zukünftige Generationen, Ungarn
  • Dr. Ashok Khosla, Direktor des Centre for Development Alternatives; Co-Präsident des Club of Rome
  • Prof. Dr. Alexander Likhotal, Präsident, Green Cross International
  • Dr. Rama Mani, Wissenschaftlerin am Centre for International Studies der Universität Oxford; Direktorin des globalen Projekts ‘Responsibility to Protect: Southern Cultural Perspectives’
  • Dr. Auma Obama, Gründerin und Vorstandsvorsitzende der Stiftung Sauti Kuu
  • Dr. Katiana Orluc, Direktorin für Development/Strategic Affairs, Thyssen-Bornemisza Art Contemporary (TBA21)
  • Ahmedou Ould-Abdallah, Präsident, Centre of Strategies and Security in the Sahel Sahara
  • Dr. Antonia Sachtleben
  • Jakob von Uexkull, WFC Gründer
  • Alyn Ware, Gründer und internationaler Koordinator des Netzwerkes Parliamentarians for Nuclear Non-proliferation and Disarmament (PNND)
  • Anders Wijkman, Vizepräsident des Club of Rome; ehemaliger Präsident von Globe EU; ehemaliger beigeordneter Generalsekretär der Vereinten Nationen
  • Barbara Woschek, Ehrenratsmitglieder, Wohltäterin und Initiatorin des Projekts ‘Beendigung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen’