Herausragende Praxisbeispiele
für mehr Agrarökologie 2019

Die Auszeichnung “Outstanding Practices in Agroecology 2019” stellt die besten Projekte, Programme, Sozialunternehmen und Nichtregierungsorganisationen des globalen Südens vor, die nachhaltige Nahrungssysteme fördern, resiliente Landwirtschaft ermöglichen und Kleinbäuerinnen und Kleinbauern stärken. Die Ehrung „Outstanding Practice in Agroecology 2019“ wird dieses Jahr erstmalig von der Hamburger Stiftung World Future Council und dem Stuttgarter Start-up Technology for Agroecology in the Global South (TAGS) vergeben, die herausragenden Praxisbeispiele werden anlässlich der Grünen Woche in Berlin am 18. Januar 2019 präsentiert.


Überblick

Weltkarte der herausragenden Praxisbeispiele

Benin

Premium Hortus

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Benin

Einsatz von Wasserhyazinthenkompost für die Herstellung gesunder Nahrung und Umweltschutz

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Afrika

Regenerierung durch die Zusammenführung von Saatgut mit Kultur und Natur in Afrika

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Brasilien

Gemeinschaftliches Management von Bioabfall und städtische Landwirtschaft – „Eimer-Revolution“

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China

Gemeinsame Ernte und ländliche Regenerierung

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Ägypten

SEKEM Initiative

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Global

Bauerngeleitete Natürliche Regenerierung (FMNR)

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India

Förderung von Bio-Anbau und Vertrieb unter Kleinbauern in einer ökologisch-fragilen Region (Timbaktu Kollektiv)

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Kamerun

Partizipative Domestizierung einheimischer Baumarten für multifunktionelle Landwirtschaft durch Agrarforstwirtschaft

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Kenia

Zentrum für natürliche Ressourcen in Trockengebieten (Dryland Natural Resource Center, DNRC)

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Kuba

Generierung und Anwendung des Agrarökologischen Schädlingsmanagement (APM)

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Philippinen

Aufbau von resistenten Landwirtschaftsgemeinden und nachhaltigen Wirtschaftskreisläufen in den ärmsten Regionen der Philippinen mittels Agrarökologie

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Mosambik

Inklusives Investment für Agrarökologie

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Nepal

Die Kultivierung von Grünem Wohlstand in Gemeinden im Hohen Himalaya mittels Medizin- und Gewürzpflanzen (MAPs)

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Simbabwe

Afrikanisches Zentrum für Holistisches Management (Africa Centre for Holistic Management, ACHM)

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Die Praxisbeispiele

Afrika: Regenerierung durch die Zusammenführung von Saatgut mit Kultur und Natur in Afrika (2007)

 Das Afrikanische Biodiversitätsnetzwerk (ABN) arbeitet in elf afrikanischen Ländern daran traditionelle agrarökologische Anbausysteme wiederzubeleben, welche durch industrielle Landwirtschaftspraktiken gefährdet sind. Saatgutvielfalt und Saatgut-Souveränität sind das Hauptanliegen des ABN. Um dieses Anliegen umzusetzen, geht das Praxisbeispiel integrativ vor, wird geleitet durch Gemeinden vor Ort, und beinhaltet zahlreiche Aktivitäten wie Samenbanken und Samenlagerungssysteme für Haushalte, kommunale ökologische Regierungsführung, Saatgutfestivals,  Recherchegruppen in Gemeinden, Saatgutkarten, Austauschbesuche, kommunale Dialoge, Austausch und Teilen von Saatgut, Saatgut-Selektion, -Schutz und -Vervielfachung, und vieles mehr. Derzeit arbeiten 4.640 Bauern am Erhalt von Saatgut und ABN hat bereits 470 verschiedenen Samenarten wiederbelebt. In den Gemeinden wo das Praxisbeispiel aktiv ist, ist die Armutsrate gesunken. Bauern sind weniger angewiesen auf externe Düngemittel oder Pestizide, haben mehr Nahrung, leben gesünder und sind besser in der Lage ihre Kinder zur Schule schicken zu können.

Proud family of Mr. Wathika enjoying revived indigenous food harvested from their farm – Photo by Hannah Kigamba

Ägypten: SEKEM Initiative (1977)

Die SEKEM Initiative arbeitet an der Verwirklichung seiner Vision von nachhaltiger menschlichen Entwicklung, in dem sie biodynamische Landwirtschaftsmethoden zur Belebung von ödem Land anwendet und landwirtschaftliche Firmen entwickelt, und indem sie Wissensaustausch, Bildung und  bewusstem Konsum fördert. Heute ist SEKEM ein führendes Sozialunternehmen, welches weltweit eine Gruppe von Firmen und Nichtregierungsorganisationen umfasst. Ungefähr 684 Hektar Wüstenland wurden mittels 100% biodynamischer Landwirtschaftsmethoden zurückgewonnen. 477 Bauern wurden in diesen Methoden trainiert. Mehr als 70% von SEKEMs wiedergewonnenem Land wird für die Produktion von Lebensmitteln und Rohstoffen für lokale Märkte verwendet. SEKEMs Produkte entsprechen dem höchstmöglichen ethischen, ökologischen und sozialen Standards. 10% der Einnahmen werden für das Gemeinwohl eingesetzt. SEKEM trug auch zur 90 prozentigen Reduzierung der Anwendung von künstlichen Pestiziden in der ägyptischen Baumwollindustrie bei, wobei die Ernteerträge um 30% gesteigert wurden. Seit 2007 baut SEKEM drei neue Modell-Bauernhöfe auf.

Benin: Premium Hortus (2016)

Premium Hortus, eine afrikanische Greentech-Firma, spezialisiert sich im Onlinehandel von agrarökologischen Produkten, Bioproduktion und Erzeugerunterstützung. Premium Hortus ist als Mobil- und Online-Plattform verfügbar, welche es Konsumenten erlaubt, nachhaltig angebaute Produkte aus kurzen Lieferungsketten sicher und direkt nach Hause geliefert zu bekommen. Auf der anderen Seite bietet Premium Hortus Bauern auch die Möglichkeit, sich dank der angebotenen fachlichen Beratung fortzubilden. Abfall wird minimiert und wiederverwertet, als Kompost, Biogas und in der Kosmetikindustrie. Bisher hat die Firma 400 KleinbäuerInnen ausgebildet. Sie versorgt über 700 städtische Haushalte mit Zugang zu gesunden Lebensmittel. Studien zeigen, dass Premium Hortus Bauern dabei geholfen hat, ihre Ernteverluste bis zu 50% zu minimieren und ihre Kohlenstoffemissionen um 47% zu reduzieren, im Vergleich zu Bauern, die konventionelle Landwirtschaft betreiben. Premium Hortus expandiert derzeit nach Marokko, Togo und Kamerun.

© Alliadev, Igapura, 2017.

Benin: Einsatz von Wasserhyazinthenkompost für die Herstellung gesunder Nahrung und Umweltschutz (2013)

Entwickelt von der Nichtregierungsorganisation Centre d´Actions pour l´Environnement et le Développement Durable (ACED), wandelt diese Methode die biologische Kontrolle der hoch invasiven Pflanzenart Wasserhyazinthe in eine ökonomische Chance um. Dieses Praxisbeispiel entwickelte eine neue Technik, welche Sammlungs-Produktivität um 39% steigern konnte und bildete 214 GärtnerInnen (viele Frauen und junge Menschen) darin aus, um Kompost der Wasserhyazinthe herzustellen und zu nutzen. Im Jahr 2016 wurde dank dieser Arbeit eine 20% Reduktion von Wasserhyazinthen erreicht. In 2017 wurden mehr als 5.400 Tonnen Wasserhyazinthen gesammelt und über 3.200 Tonnen Kompost produziert. Dank des Komposts konnten die Gärtner deutlich messbar die Ernteergiebigkeit und Ertragsqualität verbessern. Desweitern verschaffte man diesen Kleinbauern bessere Vermarktungsmöglichkeiten für ihre Produkte. Es gibt ein hohes Potential, dieses Praxisbeispiel in andere Länder zu übertragen, die ebenfalls von der Wasserhyazinthe betroffen sind, wie beispielsweise Äthiopien und Kenia.

 

Brasilien: Gemeinschaftliches Management von Bioabfall und städtische Landwirtschaft – „Eimer-Revolution“ (2008)

Die „Eimer-Revolution“ ist ein Gemeindeprojekt, welches Haushaltsbiomüll sammelt für den Gebrauch in städtischer Landwirtschaft in den sozial schwächeren Regionen von Florianópolis, Brasilien. Durch das Training von Einheimischen garantiert diese äußerst kostengünstige Praxisbespiel die monatliche Gewinnung von zehn Tonnen Biomüll zur Umwandlung in drei Tonnen Dünger, welcher den Bedarf von 25 Höfen, vier Schulgärten und Gemeinschaftsgärten deckt. Er reduziert erheblich den Bestand an Ratten und somit von Krankheiten. Durch diese Förderung von städtischer Landwirtschaft hat dieses dezentralisierte und partizipative Abfallmanagementmodell bereits rund 1.200 Tonnen Biomüll eingesammelt und dazu beigetragen, nahrhaftes Essen für die teilnehmenden Familien zu schaffen, wovon mehr als 1.600 Menschen profitierten. In den letzten zehn Jahren wurden 30 junge Straftäter in das Projekt integriert. Das Projekt wird mittlerweile von anderen Organisationen und Städten in Brasilien implementiert.


© Marcos José de Abreu

China: Gemeinsame Ernte und ländliche Regenerierung (2009)

Das Sozialunternehmen Gemeinsame Ernte (Shared Harvest) wurde von der derzeitigen Vorsitzenden des chinesischen Netzwerks für Solidarische Landwirtschaft (Community Supported Agriculture Network) ins Leben gerufen. Es fördert eine gemeinschaftsunterstützte, sozialwirtschaftliche Landwirtschaft, indem Produzenten und Bauern sich gegenseitig stärken und sich das Risiko der Lebensmittelproduktion teilen. Der Bauernhof Gemeinsame Ernte betreibt ein System der wöchentlichen Lieferung von biologisch und lokal angebauten Lebensmitteln an über 800 Konsumenten in Peking. Die Farm, welche derzeit 50 MitarbeiterInnen (Erzeuger, Lebensmittelservice und Händler) und 1.000 unterstützende Mitglieder hat, gewährleistet jedem Abonnenten ein Minimum von 200 Kilogramm frischen biologisch angebauten Lebensmitteln, mit über 60 verschiedenen Gemüsesorten. Durch seine nachhaltigen Anbaumethoden reduzierte der Bauernhof seinen Verbrauch an synthetischen Pestiziden um 2.500.000 Tonnen. Gemeinsame Ernte ist das Fundament der chinesischen Bewegung für Solidarische Landwirtschaft und bewirkte seit seiner Gründung eine Konvertierung von 1.000 Bauernhöfen zu dessen Methoden.

© Ann Degrande/ICRAF

Global: Bauerngeleitete Natürliche Regenerierung (FMNR, 1983)

FMNR wurde erstmals im Niger von der NGO World Vision gemeinsam mit Bauern entwickelt und wird mittlerweile in mindestens 24 Ländern angewendet. Es ist eine kostengünstige, anpassbare, schnelle und simple Technik, welche Bauern anwenden können, um lebendige Baumstümpfe oder Baumsetzlinge im Boden zu regenerieren. Somit können großflächig scheinbar baumlose Landschaften durch kleinste Änderungen im Verhalten und in der Landbewirtschaftung regeneriert werden. Im Niger hat sich FMNR über 5.000.000 Hektar ausgebreitet und wiederbelebte mehr als 200 Millionen Bäume. In Folge dessen haben Bauern im Niger zusätzliche 500.000 Tonnen Getreide produziert, was zu erhöhter Nahrungssicherheit  für 2,5 Millionen Menschen führte. Zudem erhöhte sich das Bruttoeinkommen in der Maradi Region um USD 17-21 Millionen (USD 1.000 pro Haushalt im Jahr). Die Technik inspirierte eine Bauernbewegung für Wiederbegrünung der Sahelregion. Sie bietet schnelle Ergebnisse ohne zusätzliche Aufwandskosten für Werkzeuge, Düngemittel oder Pestizide.

© Suzy Sainovski

Indien: Förderung von Bio-Anbau und Vertrieb unter Kleinbauern in einer ökologisch-fragilen Region (Timbaktu Kollektiv, 2005)

Das Timbaktu Kollektiv ist eine Graswurzelorganisation, welche sich für nachhaltige Entwicklung marginalisierter Menschen in 58 Dörfern des Ananthapuramu Distrikts in Andhra Pradesh einsetzt. Sie fokussiert sich auf die Verbesserung der Lebensstandards von KleinbäuerInnen, mittels Bildung in biologischen Anbaumethoden, dem Bereitstellen von Inputs wie Hirsensaatgut oder einheimischen Vieh, und ihrer Einbeziehung in Produzenten-geführten Betrieben, welche die Ernteerträge weiterverarbeiten, vermarkten und verkaufen über die Timbaktu-Marke. Mittlerweile werden 8.700 Hektar mit agrarökologischen Methoden betrieben. Zurzeit arbeitet das Timbaktu Kollektiv mit 2.080 Bauernfamilien zusammen, von denen viele Aktionäre der etablierten Genossenschaft sind, dessen Beschaffungsvolumen sich in den letzten beiden Jahren auf 877 Tonnen (2017) verdoppelt hat. Timbaktu bezahlt Bauern einen 20-50% Aufschlag auf Marktpreise und sichert ihnen somit einen fairen Zugang zum Markt.

© The Timbaktu Collective

Kamerun: Partizipative Domestizierung einheimischer Baumarten für multifunktionelle Landwirtschaft durch Agrarforstwirtschaft (1994)

Dieses Projekt wurde vom World Agroforestry Centre und lokalen Partnern gestartet. Es packt Probleme wie Landverödung und sozialer Benachteiligung an, indem es Bauern zur Implementierung von Methoden der Agrarforstwirtschaft befähigt. In Ländlichen Ressourcen-Zentren (RRC) werden der Kapazitätsaufbau und Austausch zwischen Bauern, Nichtregierungsorganisationen, Regierung und Bürgern, sowie die Diversifizierung des Lebensunterhalts durch die Gründung von neuen lokalen Kleinstunternehmen gefördert. In Kamerun half das Projekt Gemeinden zehn RRCs zu eröffnen, welche 150 Baumschulen unterhalten, über 10.000 Haushalte versorgen und über 1,6 Millionen Bäume gepflanzt haben. Das Durchschnittseinkommen der beteiligten Gemeinden erhöhte sich auf über USD 26.000. Weltweit inspirierte das Projekt die Aufnahme von mehr als 50 einheimischen Baumobstarten in Domestizierungsprogrammen. Im Jahr 2016 startete das Projekt auch in Mali. Es wurden 14 RRCs eingerichtet, vier Millionen Bäume aus 25 verschiedenen Arten gepflanzt und 80.000 Bauern in 183 Dörfern involviert.

© Ann Degrande/ICRAF

Kenia: Zentrum für natürliche Ressourcen in Trockengebieten (Dryland Natural Resource Center, DNRC, 2007)

Das Zentrum für natürliche Ressourcen in Trockengebieten (DNRC) arbeitet mit über 600 KleinbäuerInnen zusammen, um ihr Land durch agrarökologische Methoden und Agrarforstwirtschaft zu regenerieren. Ziel ist es, mehr Einkommen zu generieren, Sozialkapital aufzubauen und Nahrungssicherheit zu verbessern. Das Zentrum bildet Bauern und Schulkinder zum Thema agrarökologische Methoden aus, mittels gemeinsamen Lernens und eines Modellbauernhofs, und bewirbt darüber hinaus Baumpflanzungen, Regenwasserspeicherung und Diversifizierung des Lebensunterhalts. Dank des DNRC werden jährlich über 100.000 Baumsetzlinge von über 30 verschiedenen lokalen Arten angepflanzt, mit einer Überlebungsrate von 80%. Sein Regenwasserspeicher-Programm installierte 90 Wassertanks mit einer Kapazität von 10.000 Liter in Schulen und Haushalten, welche sauberes Trinkwasser für über 1.900 Kinder und Eltern zur Verfügung stellen. Außerdem erhöhte und diversifizierte es das Einkommen von Bauern durch den Verkauf von Feuerholz, Moringa-Pulver, -Öl und -Saatgut, Aloe Vera, Körbe, Schnitzereien und mehr. Zwei katholische Organisationen, Trócaire und Fastenopfer, trainierten ihre Mitarbeiter in den Methoden des DNRC und helfen nun diese in Kenia zu verbreiten.

© The Timbaktu Collective

Kuba: Generierung und Anwendung des Agrarökologischen Schädlingsmanagement (APM, 1993)

Dieses Praxisbeispiel zielt darauf ab, die Kapazität zur Selbstregulierung von Schädlingen und die Kapazitäten der Landwirtschaft zu erhöhen, insbesondere mittels der Diversifizierung von biologischen Bekämpfungsmitteln, der Integration von Rotationssystemen für das Bodenmanagement, von Laboratorien für Bodenwissenschaften, dem Design und Management des Anbaus von Polykulturen und Mischkulturen, der Kultivierung von natürlichen Feinden zur Schädlingsbekämpfung und von gesteigerter Biodiversität, welche Komplexität der Matrix des Produktionssystems erhöht. APM erhöht die Diversität und regulatorische Aktivität von natürlichen Feinden um 25-35%. Von 2003-2008 wurden 30,780 Bauern in APM ausgebildet und verbreiteten es. Zudem wurden 1,704 kommunale Pflanzenschutzexperten und 2,736 Berater der Bauernorganisationen in APM qualifiziert. Heute wird APM in Kuba auf 373,800 Hektar angewendet (40% benutzen vier, 22% alle APM Komponenten). Dank APM reduzierten sich die Kosten für Pestizide und Schädlingsbekämpfung um 75 % in der kubanischen Landwirtschaftsproduktion. Ein ähnliches Programm wird derzeit in Nicaragua durchgeführt und es wird in 1-2 Jahren Ergebnisse geben.

© LL Vázquez 2015

Mosambik: Inklusives Investment für Agrarökologie (2012)

Das Projekt Inklusives Investment für Agrarökologie unterstützt die Finanzierung für Bauern, welche einen Wandel hin zur Agrarökologie planen. Basierend auf einer Kombination aus individuellen und kollektiven Investitionen, Risikoteilung und ein Beratungs- und Verhandlungsprozess, fördert dieses Projekt die Umstellung zur Agrarökologie, stärkt es die lokalen Institutionen für Selbstbestimmung, unterstützt es Aggregation und diversifiziert Produktion und Märkte. Seit Juni 2018 wurden 180 Kleinbauern in Agrarökologie trainiert, drei feste Trainer engagiert, 30 Verträge für agrarökologische Investments unterschrieben und erfüllt, und 120 Hektar Land werden umgestellt auf Agrarökologie. Eine Kooperation mit der lokalen Slow Food Organisation wurde gestartet. Der Ansatz wird derzeit auch in der Nampula Region umgesetzt und es gibt eine 12-Schrittanleitung zur globalen Implementierung.


© Natalie and Mikkel Becker-Aakervik from Thoughtleader

Nepal: Die Kultivierung von Grünem Wohlstand in Gemeinden im Hohen Himalaya mittels Medizin- und Gewürzpflanzen (MAPs, 2000)

Durch das Mountain Institute (TMI) ins Leben gerufen, trainiert dieses Praxisbeispiel Hochlandbauern im Anbau von Medizin- und Gewürzpflanzen (MAPs), als ertragreiche Alternative zur traditionellen Ernte von wilden MAPs. Dieses partizipative gemeindegestützte Programm unterstützt den Schutz von MAP-Arten, die Unternehmensentwicklung und Fair Trade, durch finanzielle und fachliche Unterstützung sowie Wissensaustausch. Mittlerweile sind 18.000 Bauern in der Kultivierung von MAPs ausgebildet (11.000 Bauern direkt während 7.000 es nachgeeifert haben) in über 100 nepalesischen Dörfern; 35-40% sind weiblich. Auf über 2.500 Hektar ödem Land werden jetzt 13 verschieden MAP-Arten angepflanzt und vier MAP Bauerngenossenschaften wurden gegründet. In 2010 hat das TMI eine 80% Verbesserung für die wilde MAP Population gemessen im Bezug zur Ausgangslage. In 2016 betrug das totale Einkommen über USD 4.300.000. TMI fördert diesen Ansatz auch in Peru.

© The Mountain Institute

Philippinen: Aufbau von resistenten Landwirtschaftsgemeinden und nachhaltigen Wirtschaftskreisläufen in den ärmsten Regionen der Philippinen mittels Agrarökologie (2004)

Die von Bauern geführte Nichtregierungsorganisation Agro-Eco Philippines widmet sich der ländlichen Entwicklung, indem sie sich auf Naturschutz, biologischen Anbau, soziales Unternehmertum und Vermarktungszentren fokussiert. Die Hauptaktivitäten von Agro-Eco Philippines umfassen größtenteils, aber nicht ausschließlich: Schutz von Saatgut und pflanzengenetischer Ressourcen, partizipative von Bauern geführte Pflanzenzucht, gemeinschaftliche Samenbanken und Modellbauernhöfe, Ausbildung von jungen Bauern und Studenten, und Verarbeitung von Bioprodukten. Die Organisation bildete bisher 3.048 KleinbäuerInnen zum Thema klimaresiliente Landwirtschaft aus. Sie bildete 73 Bauern zu Züchtern aus und dank ihr existieren nun 420 von Bauern gezüchtete Sorten für Reis/Mais. Sie hat 22 Bauernorganisationen ins Leben gerufen, welche sich nun im sozialen Unternehmertum engagieren und hat fünf Vermarktungszentren in Mindanao etabliert. Die Organisation hat das reguläre Einkommen von Bauern erhöht und lokale Politik beeinflusst. Aktuell arbeitet Agro-Eco mit 300 Organisationen in den Philippinen zusammen.

© Bobby Timonera

Simbabwe: Afrikanisches Zentrum für Holistisches Management (Africa Centre for Holistic Management, ACHM, 2005)

Das Afrikanische Zentrum für Holistisches Management (ACHM) unterstützt die Verbreitung von holistischem Weidebewirtschaftungs-Management in Afrika, größtenteils in Simbabwe. Das Zentrum begann 2005 direkt mit Bauern zu arbeiten. Auf einer 3.200 Hektar Ranch arbeitet ACHM zusammen mit lokalen Bauerngemeinden, Regierungsagenturen und Nichtregierungsorganisationen und bietet innovative Trainings- und Beratungsprogramme an. Praxisorientierte Lerneinrichtungen zeigen, wie durch das richtige Management des Viehbestands sich Land, Wasser und Tierwelt regenerieren. Das Zentrum hat bisher 100 Vermittler ausgebildet und erreichte 15.000 Bauern aus 16 Gemeinden in Simbabwe, welche ihr Einkommen verdrei- und verfünffachen konnten. ACHM implementiert holistisches Weidemanagement auf 10.000 Hektar Land und beeinflusst gemeinsam mit Partnern über 500.000 Hektar Land. Holistische Beweidung führt zu einer 31% Reduzierung von bloßem Boden, einem 56% Anstieg an Streubedeckung und einem 12% Anstieg von mehrjährigen Pflanzen, was bedeutet, dass es deutlich weniger Oberflächenverlust aufgrund von Regenfällen und Oberflächenverdunstung gibt. Diese Methode wurde von anderen Organisationen in anderen Regionen adaptiert, da es sich um einen kostengünstigen und reproduzierbaren Ansatz handelt.

© Africa Centre for Holistic Management

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