Interview mit Pauline Tangiora und Kehkashan Basu

Zwei Frauen, ein Ziel: Unser Ratsmitglied Pauline Tangiora und unsere Jugendbotschafterin Kehkashan Basu arbeiten beide für eine gesunde Umwelt und nachhaltige Entwicklung. Während sich Pauline als Maori-Älteste schon seit Jahrzehnten für die Umwelt und die Belange indigener Völker in ihrem Heimatland Neuseeland einsetzt, hat sich die in Indien geborene und in den Vereinigten Arabischen Emiraten lebende Kehkashan als Jugendaktivistin einen Namen gemacht, die Kinder und Jugendliche weltweit zum Engagement für eine grüne Zukunft motiviert.

Während unserer Jahreshauptversammlung in Hamburg haben sie uns einen Einblick in ihr Leben, ihre Arbeit und ihre Hoffnungen für den WFC gegeben. Dabei wurde eins klar: Man muss keine um die Welt reisende Aktivistin sein um etwas zu ändern – jeder kann etwas tun.

Was können wir tun um die Welt zu einem besseren Ort zu machen?

Kehkashan: Jeder kann anfangen einen bewussteren Lebensstil zu verfolgen und über die Konsequenzen seines oder ihres Verhaltens für die Umwelt nachzudenken. Man kann viele kleine Dinge tun um nachhaltiger zu leben. Man muss nur bereit sein zu lernen und das erworbene Wissen weitertragen. Das bedeutet auch, die Meinungen und Ansichten von Mitmenschen ernst zu nehmen.

Pauline: Die Menschen müssen lernen einander zu respektieren. Das ist das Wichtigste, was wir unseren Kindern beibringen können – und auch Erwachsene müssen lernen, Kinder zu respektieren. Was man tun kann hängt auch davon ab, in welcher Umgebung man lebt. Beispielsweise lebe ich in einer ländlichen Region, in der wir unser Wasser selbst sammeln. Auch in anderen Regionen können Leute Wasser sparen, indem sie Regenwasser sammeln. Wenn mich Kinder in meinem Haus besuchen drehen sie nicht einfach so die Wasserhähne auf – sie wissen wie wertvoll Wasser ist.

 

Im Gespräch lernen wir, wie die Jüngeren die Welt und ihre Zukunft sehen.

 

Wie sieht eure Arbeit konkret aus?

Kehkashan: 2012 habe meine Jugendorganisation “Green Hope” gegründet. Wir möchten, dass sich Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen. Hauptsächlich veranstalten wir Workshops, Konferenzen und Kurse, um jungen Leuten Möglichkeiten zum Engagement aufzuzeigen. Aber wir reden nicht nur, wir handeln auch: In kleinen Projekten können die Teilnehmer das Gelernte direkt umsetzen. Wir nutzen auch Musik, Tanz und Schauspiel, um junge Menschen für unser Ziel zu begeistern.

Pauline: Ich würde nicht einmal sagen, dass ich arbeite – ich tausche mich mit Menschen aus, besonders mit jungen Menschen. Ich höre mir gerne ihre Meinungen und Ideen an und sie hören auch mir zu. Im gegenseitigen Austausch können wir Älteren gemeinsam mit jungen Leuten sehr genau herausfinden, wo wir Probleme in der Welt sehen. Nur weil wir älter sind heißt das ja nicht, dass wir die Weisheit gepachtet haben! Im Gespräch lernen wir, wie die Jüngeren die Welt und ihre Zukunft sehen. Ohne diese Gespräche würde uns etwas verloren gehen.

Gibt es einen Unterschied zwischen Frauen und Männern, wenn es um den Einsatz für die Natur geht?

Kehkashan: Ich denke nicht, dass es da auf das Geschlecht ankommt. In meiner Gruppe sind wir so viele Jungen wie Mädchen und alle setzen sich engagiert für Umwelt und Nachhaltigkeit ein. Es kommt auf die Person an, weniger auf das Geschlecht.

Pauline: In unserer Gemeinschaft arbeiten Frauen und Männer zusammen. Was nicht heißt, dass Männer dabei besser sind als Frauen – wir sind allen gleichermaßen dankbar. Leute aus der ganzen Welt, auch aus Deutschland, fragen uns was sie tun können, wenn sie ein gesellschaftliches Problem haben. Und wir antworten dann: „Ihr müsst zusammenarbeiten – Männer und Frauen.“

Was sind eure Hoffnungen für den World Future Council?

Kehkashan: Das Team für Kinderrechte leistet bereits tolle Arbeit dabei, die Rechte der Kinder zu sichern. Ich hoffe, dass diese Arbeit weitergeht und noch mehr junge Leute dabei einbezogen werden.

Pauline: Der WFC leistet sehr wichtige Arbeit. Es geht nicht darum, Dinge nur zu verändern, sondern darum, sie zu verbessern. Man kann immer sagen „Wir müssen etwas ändern!“, aber in Wirklichkeit geht es darum, aktiv an Verbesserungen mitzuwirken. Ich denke, mit dieser Einstellung kann der WFC noch viel erreichen.

Was hat sich durch euer Engagement schon verändert?

Kehkashan: Mit acht Jahren habe ich angefangen, mich zu engagieren und mit zwölf Jahren habe ich meine Organisation gegründet. Da habe ich gemerkt, wie viel mehr Freude es bringt und wie viel mehr man bewegen kann, wenn man sich gemeinsam und nicht alleine engagiert. So sind wir immer weiter gewachsen und immer mehr junge Leute haben sich angeschlossen. Heute dringen unsere Stimmen wirklich durch und haben einen spürbaren Einfluss auf die Gesellschaft. Viele dachten, junge Leute könnten nichts bewegen, nur weil sie jung sind – wir konnten sie vom Gegenteil überzeugen.

Pauline: Ich versuche, die Sichtweisen und Überzeugungen der indigenen Bevölkerung zu vertreten. Meiner Meinung nach verstehen viele Menschen noch nicht ihre dringenden Bedürfnisse. Nach 500 Jahren Kolonialismus in den Amerikas, 250 Jahren Kolonialismus in Australien und 175 Jahren ohne Souveränität für Neuseeland ist es manchmal schwer zu entscheiden, wo wir ansetzen sollten. Besonders wenn der Regenwald weiterhin abgeholzt wird und Flüsse vergiftet werden, beispielsweise im Amazonas.

Doch es gibt auch Lichtblicke, wie die Entscheidung unsere Fischgründe zu schützen – früher haben wir keinen einzigen Fisch mehr in unserem Fluss gefunden, doch durch eine Kooperation mit dem zuständigen Ministerium können wir heute wieder fischen. Die Leute müssen verstehen, wie viel wir Indigenen anzubieten haben durch unser Wissen über die Natur.