Future Policy Award 2012: Internationale Jury gibt Shortlist bekannt

Meeresschutz-Gesetze aus fünf Ländern in der engeren Wahl für den renommierten Politik-Preis

Hamburg/Montreal/Washington D.C./Rom, 4. September 2012 – Sechs Gesetze aus fünf Ländern sind noch im Rennen um den Future Policy Award 2012. Der vom World Future Council seit 2009 verliehene Future Policy Award ist der einzige Preis, mit dem auf internationaler Ebene Gesetze ausgezeichnet werden, die bessere Lebensbedingungen für heutige und zukünftige Generationen fördern. 2012 feiert er die weltbesten Politiken zum Schutz von Meeren und Küstengebieten. In die engere Wahl haben es Kalifornien, Namibia, Palau, die Philippinen und Südafrika geschafft.

Die hervorragenden Gesetze auf der Shortlist wurden von der Jury aus insgesamt 31 nominierten Politiken aus 22 Ländern und Regionen ausgewählt. Es handelt sich u.a. um beispielhafte Programme für marine Schutzgebiete sowie Gesetze zur Regulierung der Fischerei und zum Management von Küstenzonen. Beachtlich: Der mikronesische Inselstaat Palau hat es mit gleich zwei Gesetzen auf die Shortlist geschafft. Der Gewinner des Future Policy Award 2012 und die Gewinner der beiden „Silver Awards“ werden am 26. September 2011 bei einer Pressekonferenz im Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York bekannt gegeben.

Die feierliche Verleihung des Preises findet dann im Oktober im Rahmen der 11. Vertragsstaatenkonferenz der UN Konvention über die biologische Vielfalt (CBD COP-11) statt. Die diesjährige Preisvergabe organisiert der World Future Council mit äußerst namhaften Partnern: Zusätzlich zur UNO beteiligen sich die Welternährungsorganisation FAO, die Globale Umweltfazilität (GEF) und die Okeanos Stiftung.

 

Kurzinformationen zu den Gesetzen und Aktionsprogrammen auf der Shortlist:

Kalifornien: Ocean Protection Act, 2004
Ozeane und Küsten spielen eine zentrale Rolle für die kalifornische Wirtschaft und den Lifestyle. Allerdings hat die hohe Bevölkerungsdichte in den Küstenstädten und die vielfältige Nutzung der marinen Ökosysteme zu Ressourcenknappheit, einer unregulierten Entwicklung der Küstengebiete und einem Qualitätsrückgang der marinen Ökosysteme geführt. Der Ocean Protection Act hat das Management der Ozeane durch ökosystembasierte marine Raumplanung verbessert und die Gründung von 124 zusammenhängenden marinen Schutzgebieten ermöglicht. Das Gesetz schuf das Mandat für den Ocean Protection Council, der als zentrale Koordinierungsstelle zwischen staatlichen Stellen fungiert, Richtlinien festlegt und Finanzierungsmöglichkeiten auslotet. Seit 2004 gibt es eine breite Beteiligung der Öffentlichkeit in diesem Politikbereich, welcher der Öffentlichkeit in der Regel verschlossen bleibt, und wissenschaftliche Daten wurden öffentlich zugänglich gemacht. Durch die Umsetzung des Ocean Protection Act ist Kalifornien zum weltweiten Vorreiter in mariner Raumplanung sowie bei der Erschaffung eines koordinierten Netzwerkes von Meeresschutzgebieten geworden.

Namibia: Marine Resources Act, 2000
Namibia hat eine ökologisch und ökonomisch nachhaltigere Fischereiwirtschaft geschaffen, indem ein auf Rechten basierter und durch wissenschaftliche Forschung unterstützter Managementansatz implementiert wurde. Das Land verwaltet seine Meeresressourcen seitdem erfolgreich. Als Namibia 1990 unabhängig wurde, war der Fischereisektor nicht reguliert und die Bestände waren stark überfischt. Mit dem Marine Resources Act wurden strengere Überwachungs- und Kontrollsysteme sowie Vorschriften zur Bekämpfung von Beifang, illegaler Fischerei, Subventionen und schädlichen Fangmethoden eingeführt. In der Fischerei-Industrie wurden neue Arbeitsplätze geschaffen und die Nahrungssicherheit konnte verbessert werden. Die meisten Fischbestände sind mittlerweile stabil, und die erhobenen Gebühren für Fanglizenzen sowie die Besteuerung der Fänge leisten ihren Beitrag zu
Namibias Haushalt.

Palau: Protected Areas Network Act, 2003
Palaus “Protected Areas Network Act” schafft die Rahmenbedingungen für ein Netzwerk aus geschützten Meeres- und Festlandregionen und sichert eine langfristige nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen. Das Gesetz involviert die lokale Bevölkerung, indem es ihr ermöglicht, an wissenschaftlichen Erhebungen zu Sozialund
Umweltaspekten ihrer lokalen Umgebung teilzunehmen und integriert traditionelle Verfahren im Umgang mit natürlichen Ressourcen. Bisher wurden 35 Schutzgebiete errichtet, darunter Korallenriffe, Lagunen, Mangroven und ein SardinenSchutzgebiet. In manchen dieser Zonen ist nachhaltiger Fischfang und die Nutzung weiterer natürlicher Ressourcen erlaubt, wohingegen in anderen ein striktes Nutzungsverbot gilt. Bis 2020 möchte Palau 30 Prozent der küstennahen Meeresgebiete sowie 20 Prozent seiner Landfläche unter Schutz stellen.

Palau: Shark Haven Act, 2009
Jedes Jahr werden weltweit schätzungsweise 73 Millionen Haie gefangen und getötet. Dies führt zu immer kleiner werdenden Populationen dieser einzigartigen Geschöpfe und hat erhebliche ökologische Folgen. Palau hat mit dem Shark Haven Act von 2009 eine weltweit führende Rolle beim Schutz von Haien übernommen, indem der Inselstaat alle Haiarten in seinen Hoheitsgewässern unter Schutz gestellt hat. Das Fangen von Haien ist verboten und versehentlich in Netzen gefangene Haie müssen unversehrt freigelassen werden, ansonsten drohen hohe Geldbußen. Inzwischen zeigen sich auch die wirtschaftlichen Vorteile des konsequenten Hai-Schutzes: Das kommerzielle Tauchen mit Haien bringt der lokalen Bevölkerung 1,2 Millionen US-Dollar an Gehältern sowie der Regierung 1,5 Millionen US-Dollar an Steuern ein. Andere Länder, darunter Honduras, die Malediven und die Bahamas sind dem Beispiel von Palau gefolgt und haben das Fischen von Haien in ihren nationalen Gewässern verboten.

Philippinen: Tubbataha Reefs Natural Park Act, 2010
Die Tubbataha Riffe sind UNESCO Welterbe und ein Vorzeigemodell für erfolgreich geschützte Korallenriffe. Obwohl die Region von Überfischung bedroht ist, befinden sich die Riffe in einem ausgezeichneten Zustand. Der Tubbataha Reefs Natural Park Act zeigt, wie notwenig es ist, dass nationale Politiken lokale Institutionen darin bestärken, illegaler Fischerei, Fischwilderei und nicht nachhaltigen Fangmethoden von ausländischen Fangschiffen gegenüberzutreten. Das Beispiel Tubbataha zeigt, dass ein sorgfältiges Management dazu führen kann, dass auch die lokale Bevölkerung von geschlossenen Schutzzonen profitiert. Sie bieten den Fischen eine geschützte Kinderstube und fördern so die lokale Klein-Fischerei.

Südafrika: Integrated Coastal Management Act, 2008
Südafrika hat sich der Herausforderung gestellt, das menschliche Wohlbefinden mit der ökologischen Stabilität seiner Küsten zu vereinen. Das integrierte Küstenzonenmanagement ist das Ergebnis eines partizipativen und konsultativen Prozesses, welcher im Kontext des Übergangs von der Apartheid zur Demokratie stattfand. Im Mittelpunkt des Gesetzes steht die Wiederherstellung historischer Gemeinschaftsgüter an den Küstenregionen durch die Gewährleistung des öffentlichen Zugangs zu den Küsten. Zudem werden erstmalig Küstenzonen definiert und Leitlinien für das Management dieser Zonen auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene formuliert. Komplementäre Programme unterstützen die Ziele des Gesetzes und verschaffen der lokalen Bevölkerung Arbeitsmöglichkeiten im Küstenschutz.

Presse-Informationen

World Future Council
Der World Future Council setzt sich für ein verantwortungsvolles, nachhaltiges Denken und Handeln im Sinne zukünftiger Generationen ein. Seine bis zu 50 Mitglieder kommen aus Politik, Geschäftswelt, Wissenschaft und Kultur – und von allen fünf Kontinenten. Der Rat identifiziert mithilfe seines Netzwerks von Wissenschaftlern, Parlamentariern und Umwelt-Organisationen weltweit zukunftsweisende Politikansätze und unterstützt ihre Umsetzung auf internationaler, nationaler und regionaler Ebene. Mit seinem Future Policy Award ehrt der Rat die weltbesten nationalen Gesetze, die bessere Lebensbedingungen für heutige und zukünftige Generationen fördern. Bisher wurde er in den Politikfeldern Nahrungssicherheit, Schutz der Biodiversität und Erhaltung der Wälder verliehen. Der World Future Council ist als gemeinnützige Stiftung in Hamburg registriert und finanziert sich über
Spenden. Um mehr zu erfahren, besuchen Sie unsere Website unter www.worldfuturecouncil.org.

Das Übereinkommen über die Biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD)
Das auf dem Weltgipfel in Rio 1992 ausgehandelte Übereinkommen, das 1993 in Kraft trat, ist ein Umwelt-Vertragswerk für die Erhaltung der biologischen Vielfalt, der nachhaltigen Nutzung ihrer Bestandteile und der Zugangsregelungen und dem gerechten Ausgleich von Vorteilen, welche aus der Nutzung genetischer Ressourcen entstehen. Die CBD hat 193 Vertragspartner und damit nahezu eine globale Partizipation der Länder. Weitere Informationen unter www.cbd.int Pressekontakt: David Ainsworth, Tel: +1 514 287 7025 oder david.ainsworth(at)cbd.int oder Johan Hedlund, Tel: +1 514 287 6670 oder johan.hedlund(at)cbd.int.

Globale Umweltfazilität (Global Environment Facility, GEF)
Die Globale Umweltfazilität vereinigt 182 Mitgliedsländer und ist der bedeutendste öffentliche Geldgeber für Projekte zum Schutz der Umwelt. Seit 1991 hat sie mehr als 10 Milliarden US-Dollar für mehr als 2800 Projekte in 168 Ländern zur Verfügung gestellt und 47 Milliarden US-Dollar an Ko-Finanzierung aktiviert. Die Schwerpunkte der Projekte liegen in den Bereichen Klimaschutz, Biodiversität, Gewässerschutz, Ozonschicht, Desertifikation und langlebige organische Schadstoffe. Weitere Informationen auf www.thegef.org. Pressekontakt: John Diamond, Tel. +1 202 458 7953 oder jdiamond(at)thegef.org.

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO (Food and Agriculture Organization, FAO)
Die Ziele der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO sind die Befreiung der Menschen von Hunger und Mangelernährung, die Beendigung von Armut durch ökonomischen und sozialen Fortschritt sowie die Förderung des nachhaltigen Managements und der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen. Pressekontakt: Tina Farmer, Tel. +39 06 570 56846 / + 39 340 161 4006 sowie Irina Utkina, Tel. +39 06 570 52542 / +39 34 88 967 961 oder Irina.Utkina(at)fao.org.

Okeanos – Stiftung für das Meer
Okeanos fördert wissenschaftliche Projekte zum Thema Meeresschutz und stellt die Ergebnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung. Gleichzeitig will die Stiftung die faszinierenden Wunderwelten des Meeres bekannter machen. Weitere Informationen auf www.okeanosfoundation.org.

Media Contacts


World Future Council
Anne Reis
Tel.: +49 40 30 70 914-16
Mobil: +49 1741933145
anne.reis@worldfuturecouncil.org

World Future Council

Der World Future Council setzt sich für ein verantwortungsvolles, nachhaltiges Denken und Handeln im Sinne zukünftiger Generationen ein. Seine Mitglieder kommen aus Politik, Geschäftswelt, Wissenschaft und Kultur – und von allen fünf Kontinenten. Der Rat identifiziert mithilfe seines Netzwerks von Wissenschaftlern, Parlamentariern und Umwelt-Organisationen weltweit zukunftsweisende Politikansätze und unterstützt ihre Umsetzung auf internationaler, nationaler und regionaler Ebene. Weitere Infos finden Sie unter www.worldfuturecouncil.org.