Future Policy Award 2012 geht an Palau

In den Meeresgebieten der mikronesischen Republik werden Haie konsequent geschützt /
Beispielhafte Politiken aus Namibia und von den Philippinen gewinnen Silber

New York, 26. September 2012 – Gewinner des Future Policy Award 2012 ist die Republik Palau. Der mikronesische Inselstaat erhielt den Preis des World Future Council als Anerkennung für zwei herausragende marine Politiken, den 2003 initiierten Protected Areas Network Act und den Shark Haven Act aus dem Jahr 2009. Der Preis in Silber ging an Namibia für den Marine Resources Act (2000) und die Philippinen für den Tubbataha Reefs Natural Park Act (2010). Laut der internationalen Jury leisten die vier prämierten Politiken den effektivsten Beitrag zum nachhaltigen Management von Meeren und Küsten zum Wohle heutiger und zukünftiger Generationen. Die Gewinner wurden am 26. September 2012 im Rahmen einer Pressekonferenz im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York bekannt gegeben.

„Mit dem Future Policy Award wollen wir vorbildliche Politiken ins Licht der Öffentlichkeit rücken. Das Ziel des World Future Council ist es, nachahmenswerte Politiken zu verbreiten und das Ergreifen politischer Maßnahmen hin zu gerechten, nachhaltigen und friedlichen Gesellschaften voranzutreiben”, erklärt Alexandra Wandel, Direktorin der internationalen Forschungs-Organisation, die Entscheidungsträger bei der Umsetzung wirksamer politischer Lösungen berät. Der Future Policy Award 2012 rückt die großen Herausforderungen im Umgang mit den Ozeanen der Welt in den Fokus und zeigt beispielhafte politische Lösungen zum Schutz von Meeren und Küsten auf.

Dr. Braulio Ferreira de Souza Dias, Direktor des Sekretariats der UN-Biodiversitätskonvention (CBD), macht deutlich: „Der Ozean spielt eine wichtige Rolle in unserem täglichen Leben. Auch für die vielen Millionen Menschen, die glauben, nicht von Ozeanen abhängig zu sein, sind die marinen Ökosysteme und deren Tierwelt von großem Nutzen. Der Future Policy Award stärkt das globale Bewusstsein für dieses Thema und fördert die Umsetzung konkreter Maßnahmen.”

Die Republik Palau wurde für zwei herausragende und innovative Politiken ausgewählt, die auf die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung und Umwelt zugeschnitten sind. Ihre Auswirkungen sind weltweit zu spüren und sie haben die Gesetzgebung in Nachbarländern inspiriert. Palaus Shark Haven Act aus dem Jahr 2009 gilt als Meilenstein: Mehr als 100 verschiedene Arten von Haien werden durch das Gesetz in den palauischen Meeresgebieten geschützt. Das Gesetz wurde trotz des Drucks seitens internationaler Fischereiflotten erlassen. Es erzielte weitreichende Wirkung: Eine Reihe von anderen Ländern, darunter Honduras, die Malediven und die Bahamas, erließen nach seinem Vorbild ähnliche Gesetze und verboten den Haifischfang in ihren nationalen Gewässern. Dr. Carl Safina, Präsident und Mitbegründer des Blue Ocean Institute: „Die ökologischen Auswirkungen des Gesetzes sind möglicherweise noch nicht messbar, die biologischen Folgen hingegen sind offensichtlich: Die Haie leben.“

Palau bemüht sich auch weiterhin, seine globale Führungsrolle beim Schutz von Haien aufrecht zu erhalten. Das Land macht sich für die Einführung internationaler Regulierungen stark, die ein Verbot des sogenannten ‚Finning’ beinhalten, bei dem die Haifischflossen abgetrennt und der meist noch lebende, aber schwimmunfähige Hai ins Meer zurückgeworfen wird, wo er entweder erstickt oder von anderen Meeresbewohnern gefressen wird. Auch der Handel mit Haiprodukten soll verboten werden.

Palaus zweites herausragendes Gesetz zum Schutz von Meeren und Küsten ist der im Jahr 2003 initiierte Protected Areas Network (PAN) Act. Er schafft die Rahmenbedingungen für ein Netzwerk aus geschützten Meeres- und
Festlandregionen, sichert eine langfristige nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen und besitzt die institutionelle Flexibilität, an zukünftige Veränderungen angepasst zu werden. Die Regierung wirkte Befürchtungen über den Verlust von traditionellen Ansätzen zum Naturschutz entgegen und implementierte ein landesweites System verbundener Schutzgebiete, darunter Korallenriffe, Lagunen, Mangroven und ein SardinenSchutzgebiet.
Die einzelnen Bezirke und Gemeinden verwalten diese Gebiete auf traditionelle Art, und erhalten zusätzliche finanzielle, technische und institutionelle Unterstützung vom Staat. Bisher wurden 35 Schutzgebiete errichtet. Bis 2020 möchte Palau 30 Prozent der küstennahen Meeresgebiete sowie 20 Prozent seiner Landfläche unter Schutz stellen.

Naoko Ishii, Geschäftsführerin und Vorsitzende der Globalen Umweltfazilität (GEF): „In diesem Jahrzehnt wird entschieden, ob wir es schaffen, lebenswichtige Ökosysteme zu schützen und gleichzeitig die Lebensqualität aller Menschen zu erhöhen.“

Der erste Silber-Award ging an Namibias Marine Resources Act (2000) für die Errichtung einer ökologisch und ökonomisch nachhaltigen Fischereiindustrie. Als Namibia 1990 unabhängig wurde, war der Fischereisektor nicht reguliert und die Bestände waren stark überfischt. Mittlerweile ist die Fischerei vollständig kontrolliert und wird sowohl auf dem Wasser als auch in den Häfen streng überwacht. Fischereiunternehmen sind dazu verpflichtet, eine Fanglizenz zu beantragen und die Quoten für die acht wichtigsten kommerziellen Fischsorten werden jährlich neu festgelegt. Die Bestände werden sorgfältig beobachtet und im Falle einer Unterschreitung des Grenzwertes wird ein Moratorium ausgesprochen, das den Fischfang bis zur Erholung der Bestände verbietet. Gleichzeitig wird die Nahrungssicherheit verbessert und die Regierung fördert aktiv den Verzehr von Fisch, indem Fisch für Bedürftige zu günstigeren Preisen bereitgestellt wird.

Arni Mathiesen, Beigeordneter Generaldirektor der Abteilung für Fischerei und Aquakultur der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO): „Die Menschheit hängt vom nachhaltigen Management der weltweiten Meeresressourcen ab, um das Menschenrecht auf Nahrung zu verwirklichen. Dies gilt vor allem für die 900 Millionen chronisch hungernden Menschen. Rund 3 Milliarden Menschen nehmen mindestens 20% ihres tierischen Proteins über den Fischkonsum auf und fast 40% dieser Menschen leben in Ländern mit niedrigem Einkommen und Lebensmittelknappheit. Fischerei und Aquakultur bilden die Lebensgrundlage von mehr als 10% der Weltbevölkerung. Deshalb ist es so wichtig, Politiken zu fördern, die erfolgreich die vielfältigen Bedrohungen der Ozeane angehen.“

Der zweite Silber-Award ging an den philippinischen Tubbataha Reefs Natural Park Act, ein Gesetz, das die effiziente Verwaltung der Tubbataha Riffe durch die Stärkung des legislativen Mandates der verwaltenden Instanzen gewährleistet. Die Tubbataha Riffe sind UNESCO-Weltkulturerbe und ein Vorzeigemodell für erfolgreich geschützte Korallenriffe. Das Beispiel Tubbataha zeigt, dass mit einem sorgfältig geplanten Management die lokale Bevölkerung von geschlossenen Schutzzonen profitieren kann, da den Fischen eine geschützte Kinderstube geboten wird, was wiederum die lokale Klein-Fischerei fördert. Der Tubbataha Reefs Natural Park Act wurde als vorbildliches Modell zum Schutz von Korallenriffen gefeiert, ähnliche Gesetze sind bereits im benachbarten Apo Riff erlassen worden. Jury-Mitglied Pauline Tangiora, Maori Älteste des Rongomaiwahine Stamms in Neuseeland und Ratsmitglied des World Future Council, erklärt: „Die Politik muss die Bedürfnisse von lokalen Gemeinden berücksichtigen und ihr traditionelles Wissen integrieren, um die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen zu gewährleisten.”

Eine internationale Jury mit Experten aus Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft sowie von internationalen Institutionen und indigenen Gruppen prüfte die nominierten Gesetze an Hand der sieben Prinzipien für nachhaltige Entwicklung des World Future Council. Ehrenvolle Würdigungen bekamen Südafrika für den Integrated Coastal Management Act, 2008 und Kalifornien für den Ocean Protection Act, 2004. Insgesamt waren 32 Politiken aus 22 Ländern nominiert.

Die feierliche Verleihung des Future Policy Award 2012 findet am 16. Oktober im Rahmen der 11. Vertragsstaatenkonferenz der UN Konvention über die biologische Vielfalt (CBD COP11) statt. Die diesjährige Preisvergabe organisiert der World Future Council mit äußerst namhaften Partnern: Zusätzlich zur CBD beteiligen sich die Welternährungsorganisation FAO, die Globale Umweltfazilität (GEF) und die Okeanos Stiftung.

 

Sehen Sie sich den Webcast der Gewinner-Verkündung bei der Pressekonferenz im UNO Hauptquartier in New York an.

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