Sikkim: Eine Blauspause für unsere Zukunft. Bio-Revolution in Indien

Was als viel belächelte Vision begann, wurde jetzt mit dem Future Policy Award in Gold ausgezeichnet: Sikkim, ein indisches Bundesland, produziert zu 100 Prozent Bio-Lebensmittel. Wir besuchen ein Land, das damit nicht nur Geschichte schreibt, sondern auch das Herz des Reisenden höher schlagen lässt.
Sikkim Bio Revolution
100 Prozent Bio-Anbau sorgt für eine gesunde Bevölkerung, gesunde Böden und faire Arbeitsbedingungen für die Bauern. © Colabora

Um ein Land komplett auf biologischen Landbau umzustellen, braucht es einen Visionär mit missionarischer Power, dem es nichts ausmacht, erst einmal für verrückt erklärt zu werden. Als Ministerpräsident Chamling vor 15 Jahren das Ziel deklarierte, die ganze Landwirtschaft in Sikkim auf Bio umzustellen, hielten ihn viele für einen Spinner. Nachvollziehbar wird seine Mission, wenn man weiß, dass er selbst auf einem Bauernhof im damaligen Königreich Sikkim geboren wurde. Ihm war „nur“ der Besuch der Grund- und Hauptschule möglich, während­dessen und auch danach arbeitete er auf dem elterlichen Bauernhof, was sein Leben nachhaltig prägte. Sein Taten­drang und Gestaltungswille führten ihn bald in die Politik. Er gründete eine neue Partei, weil er mit den existierenden korrupten Parteien nichts zu tun haben wollte, und wurde bereits 1994 zum ersten Mal zum Ministerpräsidenten gewählt. Dank seiner charismatischen Führungspersönlichkeit ist er bereits in seiner fünften Amtszeit als „Chief Minister“. Er wurde jeweils mit beeindruckenden Mehrheiten von weit über 60 Prozent wiedergewählt und zu Recht hat er den Beinamen „grünster“ indischer Ministerpräsident.

Die richtige Landwirtschaft – überall

Der Ökolandbau wurde nicht einfach „von oben“ angeordnet, sondern mit konsequenter Partizipation umgesetzt. Die Herausforderung war auch deshalb groß, weil die Farmen mit einer durchschnittlichen Betriebsgröße von 1,5 Hektar klein sind. Kunstdünger wurde nicht einfach verboten, sondern unattraktiv gemacht, indem die staatliche Subvention für Chemiedünger jährlich um 10 Prozent gekürzt wurde. Bereits nach ein paar Jahren war niemand mehr daran interessiert, Kunstdünger zu kaufen!