Der Future Policy Award
Belo Horizonte: Eine Stadt schafft den Hunger ab
Die Stadt Belo Horizonte ist weltweiter Pionier in der Gesetzgebung für universale Nahrungssicherheit. Das kommunale Gesetz Nr. 6.352, verabschiedet am 15. Juli 1993, ist dem Konzept der Nahrungssouveränität verpflichtet: Jedem Bürger steht ausreichend gute und nachhaltig produzierte Nahrung zu. Produktion und Vertrieb werden so geschützt, gefördert und reguliert, dass dieses Ziel erreicht werden kann.
Umsetzung

- Stadtgarten in Bolivien ©WFP/Gabriele Giugni
Vertreter aus Zivilgesellschaft, Kirchen und Wirtschaft wurden in einen Rat berufen, der die Stadtverwaltung bei der Umsetzung unterstützt. Folgende Maßnahmen sind erarbeitet worden:
- Durch die Förderung lokaler Märkte wird der Austausch zwischen lokalen Produzenten und Konsumenten gefördert, was die Preise verringert und Nahrungssouveränität erhöht.
- Die öffentliche Beschaffung von Nahrungsmitteln für kostenlose Schulessen und subventionierte Restaurants erfolgt gezielt, so dass die lokale Produktion von gesunder Nahrung gefördert werden kann, wodurch gleichzeitig Arbeitsplätze geschaffen werden.
- Die gesamte Bevölkerung wird über das Recht auf Nahrung, günstige Anbieter, gute Ernährung und Möglichkeiten zum Eigenanbau in Stadtgärten aufgeklärt.
- Bei ausgewählten Grundnahrungsmitteln wird der Markt dahingehend reguliert, dass das Recht auf gesunde, gute Nahrung für alle Bürger garantiert wird.
Kosten: Weniger als 10 Millionen US-Dollar jährlich, etwa 2% des Haushalts der Stadt.
Positive Auswirkungen des Gesetzes
- Die Kindersterblichkeit wurde um 60% reduziert, Unterernährung um 75%.
- Die Zahl in Armut lebender Menschen wurde um 25% reduziert, die lokale Wirtschaft wächst.
- 40% der Bevölkerung profitieren direkt von dem Gesetz.
- 40% der Einwohner von Belo Horizonte essen häufig nährstoffreiches Obst und Gemüse; im brasilianischen Durchschnitt sind es 32%.
- 2 Millionen Kleinbauern haben Zugang zu Krediten, 700.000 zum ersten Mal in ihrem Leben.
Ebenfalls ausgezeichnet:
- Das kubanische Gesetz zur Förderung städtischer Landwirtschaft sichert den Zugang zu Land, um die ausreichende Produktion von Nahrung zu gewährleisten und fördert die lokale Produktion sowie die Erforschung nachhaltiger Anbautechnologien.
- Das toskanische Gesetz zum Schutz lokaler Pflanzenarten sichert den Zugang zu Saatgut als öffentliches Gut, so dass alle Bauern Samen kultivieren und aufbewahren können und dadurch gemeinsam die Samenvielfalt und Biodiversität schützen und erhalten.